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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 1 · p. 14

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 1
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1915-01-01
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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14 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman oder zu bekommen verspricht, wo möglich arisch, daneben Bummler, Journalisten und halbe Dichter aus dem in Wien noch vor wenigen Jahren wohlbekannten »Cafe Größenwahn«. Sie sind weder gut, noch schlecht, sie leben, leben nach ihrer Art, keiner etwa abstoßend, kaum einer aber auch anziehend, sei es Männlein oder Weiblein. Ich will die wichtigsten nach dem Steckbrief, den ihnen der Dichter mitgegeben hat, vorführen. Wir haben also den Salon der Frau Ehrenberg vor uns, in dem die gemischte Gesellschaft verkehrt. Frau Ehrenberg war im Alter von 34 Jahren (jetzt ist sie 47) hoheitsvoll, von übergroßer Gestalt, ist noch jetzt schön, mit verschleierten Augen und meistens^, sehr müde. Aber ihr Gemahl, der millionenreiche Patronenfabrikant, ein kleiner, magerer Herr mit graumeliertem Vollhart und japanischen Augen macht durch sein Erscheinen jedesmal der ganzen Ehrenbergischen Vornehmheit ein Ende. So oft er den Mund auftut, liegt es unter dem Schein der Ruhe wie eine geheime Angst auf dem Antlitz der Gattin; sie behandelt ihn mit Spott, kommt aber gegen seine Rücksichtslosigkeiten nicht auf. Der Sohn Oskar benimmt sich bei solchen Gelegenheiten, wenn irgend möglich, als gehöre er nicht dazu. Dieser originelle alte Herr Ehrenberg ist nicht nur der gescheiteste, sondern auch die sympathischeste Person, obgleich er jüdelt. Ihm »is vor die Jours im Hause Ehrenberg mieß, wo in der einen Ecke ein Attache, in der anderen ein Husar sitzt . . . Dorten spielt einer seine eigenen Kompositionen zu guten vor und aufm Diwan hat einer Esprit und am Fenster verabredet die Frau Oberberger ein Rendezvous, mit wem sich trefft.« Um dem auszuweichen, will er eine Reise nach dem Orient unternehmen. Er möchte Jerusalem sehen, bevor er stirbt. Das verstehn seine Frau und seine Kinder nicht. »Aber wenn man so sieht, was in der Welt vorgeht, so möchte man selber glauben, daß es keinen anderen Ausweg gibt als den Zionismus,« Auf den Einwurf eines der Hausfreunde, Edmund Nürnbergers, daß ihm der Antisemitismus nicht geschadet habe, weil er reich sei, antwortet er: »Die Hälfte von meinem Vermögen gäb’ ich her, wenn ich die

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