Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 13 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Darstellung der Jaden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts. (Fortsetzung.) Die Juden bei Arthur Schnitzler. Der Weg ins Freie. Roman von Arthur Schnitzler. S. Fischer, Berlin 1908, 491. S. Es ist ein vielversprechender Titel, wie sie Schnitzler so wohl zu erfinden weiß und das ist ein wichtiges Ding, weil es vor allem unsere Neugierde reizt. Da nun unter den Juden im allgemeinen oder in dem Einzelnen, angenommen oder wirklich, ein Zwiespalt besteht, da ferner das Buch, obwohl der Held und die Heldin Christen sind, hauptsächlich sich mit Juden beschäftigt, so müßte man schon nach dem ganzen Eingang, der einen großen Raum einnimmt, denken, es behandle diese vielerörterte Frage von einem hohen Standpunkte aus, zeige, wo »der Weg ins Freie« zu finden sei. Aber wir sind enttäuscht. In Wirklichkeit handelt es sich im Kern der Sache um — die Entbindung der Geliebten des Helden, eines Freiherrn von Wergenthin, und wie dieser junge, ziemlich willenlose Herr von dieser Geliebten nach dem Tode oder durch den Tod des erwarteten Kindes frei wird. Wir können uns demnach die Geschichte ersparen. Aber es treten, sintemalen der hochgeborene Freiherr sonderbarer Weise meist in jüdischen Kreisen verkehrt, uns eine ganze Anzahl sehr treu, folglich unbarmherzig gezeichneter Gestalten entgegen, die mit großer Kunst geschildert werden, Gestalten, wie sie in gewissen mittleren Kreisen der Großstadt ja leider zuhause sind, in Kreisen1), die ein Haus machen, Gesellschaften geben, Alles an sich zu ziehen suchen, was einen Namen hat ר Vgl. 57. Jahrg. S. 645.