Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der jetzige Weltkrieg und die Bibel
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Der jetzige Welterieg and die Bibel. 9 holen? Von Haus zu Haus hat sich die Feuersäule der Kriegsbegeisterung, der Kriegsfürsorge und Opferwilligkeit fortgewälzt, und so dunkel der Weltkrieg ist, in so tiefe Schatten der Trauer und Sorge er Hunderttausende einhüllt, es ist doch ein Lichtmeer der edelsten Herzenskundgebungen, das die Nacht erleuchtet. Was würde England darum geben, wenn es mit seinem vielen Wasser, dem es gebietet, diesen Feuerbrand der Begeisterung und Siegeszuversicht, der seine verzehrenden und vernichtenden Gluten den aus aller Welt zusammengewürfelten Kriegern entgegenschleudert, auslöschen könnte! Aber es wird ihm nicht gelingen, denn wie heißt es in dem Hohen Liede? »Mächtige Wasser vermögen nicht die Liebe auszulöschen, und Ströme überfluten sie nicht.« »Denn stark wie der Tod ist die Liebe, ihre Gluten Feuersgluten, Gottesflamme.« Die Cottesflamme, die von einer großen Idee entzündet und unterhalten wird, die Flamme der Begeisterung für die heiligsten Güter, die große Liebe zur selbstgeschaffenen Kultur und den höchsten geistigen Errungenschaften — die findet sich nicht in dem großen Farbentopf eines Heeres von Söldnern und Sklaven, aber sie lodert, wie einst in den Herzen der Makkabäer, so auch in den Herzen unserer verbündeten Heere und verleiht ihnen Zuversicht für das Ende des Weltkriegs. III. Denn ein Ende wird, wie alles, auch ,dieser Weltkrieg finden. Aber es entsteht die Frage, die wohl jedem am Herzen liegt: »Wie wird dieses von allen heiß ersehnte Ende aussehen?« »Respiee finem«, bedenke das Ende, denke daran, daß es so sich gestalte, daß es die aufgewendete unsägliche Mühe und Arbeit, die ausgeständenen Leiden und Kümmernisse, die kaum eine Familie verschonen, lohne, oder wenigstens dafür entschädige, das ist die beherzigenswerte Mahnung eines alten Dichters. Man sagt wohl leichthin: wenn kein Krieg mehr ist, dann ist Friede. Aber das ist so wenig wahr, wie wenn einer sagt: wenn kein Regen mehr ist, dann ist Sonnenschein. Kein Krieg ist noch lange nicht Friede,