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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 1 · p. 8

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 1
Article
Der jetzige Weltkrieg und die Bibel
Date
1915-01-01
Page
8 (sequence 8)
Language
German
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8 Der jetzige Weltkrieg und die Bibel Sache einmal von der Kehrseite, die ein freundliches Bild darbietet. Kann denn nicht auch ein geistiger Funke, ein geistiges Licht einen Brand entfachen, der dann freilich kein verzehrender ist, der vielmehr die Herzen entflammt, so daß aus tausenden und abertausenden solcher entflammter Herzen eine Feuersäule aufschlägt, die unwiderstehlich ist? Wenn so etwas geschieht, dann nennen wir es ein Wunder, aber dieser Vorgang ist nicht um ein Haar weniger natürlich, als der andere: er erscheint uns nur so, weil er so selten geschieht. Im Hause des Hohenpriesters Mattathias ist er geschehen, in seinem Hause glühte noch ein Funke, flackerte noch ein Lichtlein der überlieferten Gottesidee und Erkenntnis, der angestammten Eigenart und Freiheitsliebe, die alle infolge der griechischen Verwälschung und Verfälschung untergegangen waren, nun aber gingen sie mächtig wieder auf, weil der im Hause des Mattathias angefachte Brand um sich griff, und weil seine Söhne, die Makkabäer, die Fackelträger wurden, die den Brand in jedes Haus, in jede Hütte trugen und in dem Volke den Geist Simsons und Davids erweckten, dem kein Philister, nicht einmal ein Goliath, zu widerstehen vermochte. Ich bin hiermit unversehens darauf zu sprechen gekommen, wie innerhalb des Judentums das Andenken der Makkabäer gefeiert wird. Man sollte meinen, daß für solche Helden und Heldentaten keine Feier großartig, prunkvoll und lärmend genug sein könnte. Aber nichts von alledem geschieht dem zweitausendjährigen Herkommen gemäß. Sondern es werden an acht aufeinanderfolgenden Winterabenden bescheidene Lichtlein in aufsteigender Anzahl angezündet, gleichsam um zu zeigen, wie Licht an Licht sich anreiht, und im Anblick dieser Lichtlein wird des göttlichen Wunders gedacht, denn gerade weil es so natürlich ist, ist es ein Wunder, daß aus einem Funken, aus einem Lichtlein, die mächtige Feuersäule der Begeisterung lür Freiheit und Vaterland hervorgezaubert werden kann. Und ist diese Feier eben deshalb nicht die angemessenste und natürlichste? Sehen wir nicht in dem Deutschland und unserer Monarchie von Königsmördern und ihren königlichen Beschützern aufgezwungenen Kriege das makkabäische Lichterspiel sich wieder-

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