Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der jetzige Weltkrieg und die Bibel
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Der jetzige, Weltkrieg und die Bibel. 7 n. Gestatten Sie nun, meine Verehrten, daß ich dem bloßen Zweikampfe auch einen förmlichen Krieg folgen lasse, in dem derselbe Geist wie in jenem als der Geist eines ganzen Volkes sich offenbart. Es sind die Makkabäer, welche diesen Geist entfesselten und dadurch die Besiegung des Usurpators Antiochus Epiphanes, sowie ein neues Morgenrot der Freiheit und Selbständigkeit des jüdischen Volkes herbeiführten. Die Makkabäer gehören jedoch nicht bloß dem Judemtum an, auch die katholische Kirche verehrt sie als Heilige, und sogar der unlängst verstorbene Kardinalstaatssekretär Rampolla hat ihnen eine Abhandlung gewidmet. Die rührende Geschichte von der Mutter mit ihren sieben Söhnen, die dem Literaturkreise der Makkabäer angehört, hat zur Stiftung des einzigen vorchristlichen Festes, das die Kirche kennt, Veranlassung gegeben. So weit hat der Ruhmeskranz der Makkabäer seine Strahlen ausgesendet. Daß sie auch alljährlich am jüdischen Chanukafest auf unserm Burgtheater erscheinen, ist eine liebevolle Aufmerksamkeit, die sie reichlich verdienen. Denn man kann nicht leicht wirksamer, als durch ihre Vorführung, den Geist der Aufopferungsfähigkeit für das Vaterland entflammen, jenen Geist, der sich jetzt in unseren gemeinsamen Heeren so wunderbar bewährt. Ich sage wunderbar, denn die Welt nennt gern ein Wunder, was im Grunde natürlich, ja eine Naturnotwendigkeit ist und als solche oft genug erkannt und anerkannt wird. Ein Beispiel: Es entsteht ein Brand, der, klein anfangend, in eine Feuersäule ausschlägt, die mit zunehmender Gewalt Häuser und Menschen in Asche verwandelt. Das kann, trotz unsrer wohleingerichteten Feuerwehren, auch heute noch geschehen, und es ist nicht sehr lange her, daß wir in Wien solch ein grausiges Schauspiel erlebt haben. Wenn dann die behördliche Untersuchung des Vorfalls zu dem Ergebnis kommt, daß ein übersehener Funke, ein vergessenes Lichtlein die Ursache des Brandes gewesen ist, dann wundert sich Niemand, sondern jeder findet es selbstverständisch, daß es so kommen mußte. Aber betrachten wir die