Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der jetzige Weltkrieg und die Bibel
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Der jetzige Weltkrieg und die Bibel. zu zertreten, die* gleiche humane Praxis auch auf Deutschland und unsre Monarchie erstrecken, er sollte die altgerühmte Kultur beider Länder mit seiner ungeschlachten Massigkeit erdrücken, um blühende Fluren der Natur und Intelligenz in eine Wüstenei zu verwandeln. Um dieses schändlichen Zweckes willen, bei dem nur Haß und Neid darüber hinwegtäuschen konnten, daß er die schwerste Versündigung an der gesamten Menschheit bedeute, haben Frankreich und England sich nicht gescheut, ihren altererbten Ruhm, die Protagonisten der Freiheit und Humanität zu sein, schnöde preiszugeben, und haben mit dem Prototyp der Reaktion und Inhumanität sich zusammengetan. Schon die bloße Vorstellung, daß dieser höllische Plan hätte gelingen können, daß Österreich-Ungarn und Deutschland kosakisch geworden wären, drängt Einem die Worte Valentins im Faust auf die Zunge: »Ums Haar sich auszuraufen, und an den Wänden hinaufzulaufen!« Aber der schändliche Plan ist nicht gelungen, und wird auch nicht gelingen. Die Zentralmächte drängen den großsprecherischen Goliath, den Busenfreund und die Hoffnung der Ententemächte, siegreich zurück. Wie ist das möglich? Wer könnte leugnen, daß der Erfolg der Zentralmächte ihrer besseren Kriegskunst verdankt wird? Aber wer kann verkennen, daß hier wieder einmal der Kriegsgeist der Bibel, der Geist Davids, der für eine große Idee kämpft, sich offenbart? Dieser Geist ist es, der in unseren gemeinsamen Heeren waltet, und der sie selbst über den nordischen Riesen riesenhaft erhebt. Aber dieser Scheinwerfer der biblischen Episode entscheidet auch unwiderleglich die Frage, wem die Schuld an dem Weltkrieg zufalle. Die bewunderungswürdige Haltung unsrer Heere ist nicht die Haltung von Truppen in einem mutwilligen Kriege. So unvergleichlich kämpft man nur, so unvergleichüch stirbt man nur für eine Idee. Unsre Heere wissen, daß ihr ganzer Lebensinhalt auf dem Spiele steht. Dieses Bewußtsein wird ihnen den Sieg verleihen.