Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der jetzige Weltkrieg und die Bibel
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Der jetzige Weltkrieg und die Bibel. instruktiven Ausschnittes aus der biblischen Geschichte führen zu Können. Ich meine den Zweikampf zwischen David und dem Riesen Goliath. Ein Zweikampf ist allerdings kein Krieg, aber ich werde sogleich zeigen, daß der Unterschied, — so groß er sonst sein mag — hier nicht ins Gewicht fällt. Es gibt nicht bald eine so anschauliche Schilderung wie diejenige, welche die Bibel der Vorbereitung für diesen Zweikampf und ihm selbst widmet. Man sieht förmlich den mächtigen Koloß von einem Menschen in seiner ganzen geharnischten Vierschrötigkeit vor dem Lager des Königs Saul sich aufpflanzen und vernimmt seine spöttische Herausforderung zum Zweikampfe. Zugleich aber sieht und hört man, wie der kleine Hirtenknabe David den König bittet, ihm den ungleichen Zweikampf zu gestatten, und wie er die Besorgnis des Königs mit der demütig vorgebrachten Ver- Sicherung beschwichtigt: »Dein Knecht hat schon Löwen und Bären erschlagen.« Wohlgemerkt, es handelt sich nicht um eine Jagd mit der Schleuder, dem Pfeil oder Wurfspieß, sondern David erzählt in harmloser Weise, wie er die eine oder andere dieser wilden Bestien mit der Faust beim Barte gepackt und ihr das geraubte Lamm aus dem Rachen gerissen habe. Das ist eine Leistung, die gewiß der gewiegteste Tropenjäger David nicht nachgemacht hat. Dennoch ist es nicht das mächtige Kraftbewußtsein, das David jetzt befeuert, sondern er ruft dem Riesen zu: »Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Wurfspieß, und ich komme an dich im Namen des Ewigen der Heerscharen, des Gottes der Schlachtreihen Israels, die du gehöhnt.« Ich glaube, daß David auch im Kriege von diesem Gedanken geleitet wurde, deshalb habe ich mich auf seinen Zweikampf berufen, bei dem er diesen Gedanken ausgesprochen hat. Nun, meine Verehrten, in diesen Worten spiegelt sich der Kriegsgeist der Bibel. Der Krieg ist ihr keine Rauferei, wie doch zumeist im Altertum und selbst in der neuesten Zeit, in der noch mitunter die Landsknechte, die Söldner, die bloßen Draufgänger und auch die Falstaffe sich auf dem Kampfplatz tummeln. Für 1*