Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 4)
- Language
- German
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113 Besprechung. satnmen, ganz so wie es hier ausgerechnet wird, 11 Our und 60 qa als Gesamtsumme. Wie die eben gegebene Probe zeigt, sind die Urkunden in der nichtsemitischen Sprache des alten Babylonien abgefaßt. Es Ist die Sprache der alten Sumerer. Man nimmt heute fast allgemein an, daß es eine wirkliche Sprache ist und nicht etwa eine geheimnisvolle, künstlich geschaffene Sprache der babylonischen Priestei. Wenn die Lesungen auch hin und wieder noch nicht ganz sicher sind und für das grammatische Verständnis noch recht viel za tun ist — man versteht doch im großen und ganzen die Texte. Zwar machen sie noch recht viel Mühe, aber sie lohnen es reichlich. Erschließen sie uns doch Einblicke in eine Zeit, die noch um eine paar Jahrhunderte vor Hammurabi zurückliegt, etwa um 2800. Ist jezt schon in weite Kreise der Name Hammurabis gedrungen, so wird vielleicht mancher Gelehrte sich auch den Namen Ur11-ka־gina einprägen müssen, der in gewisser Beziehung ein Vorläufer Hammurabis gewesen ist. So weit wir bisher sehen können, hat Hammurabi zum ersten Mal eine Kodifizirung von Gesetzen versucht. Aber es liegt auf der Hand, daß das nur der Abschluß einer langen Entwicklung sein kann1). Recht und Gesittung müssen dem Volke um diese Zeit schon als Erbe von ihren Vätern überkommen sein. Wahrscheinlich wird man Urukagina zu den Herrschern zählen müssen, die in bewußter Arbeit ihr Volk und Land auf eine höhere Stufe der Zivilisation gehoben haben. »Der Waise und der Witwe taten die Mächtigen kein Ünrecht an!« »In den Garten der Mutter des Armen drang (der Priester) nicht mehr ein, er entriß nicht mehr ihre Bäume, er nahm nicht mehr ihre Früchte weg.« Dessen rühmt sich Urukagina (vgl. T hure au-Dan gin, Sumerische und akkadische Königsinschriften, 1907, S. 53 und 47). Das alles hat er durch seine kraftvolle Regierung zu stände gebracht zur höheren Ehre seines Gottes Nin-girsu und seiner Göttin Bau. Die historischen Inschriften der alten Herrscher Südbabyloniens, des שנער der Bibel (= Sumer) im Verein mit den vielen Urkunden geschäftlichen Inhalts aus den Tempelarchiven ermöglichen uns schon jetzt, uns ein Bild zu machen vom Leben und Treiben dieser alten Zeit. Südbabylonien war die Domäne der Sumerer. In Nordbabylonien saßen wahrscheinlich seit ebenso langen Zeiten, wie im Süden die Sumerer, Semiten. Es ist sicher, daß sie Jahrhunderte lang kulturell auf einander eingewirkt haben, und daß zuerst die Sumerer die *) Vgl. die eben erschienene Mitteilung C1 a y’s : A Sumerian Prototype of the Hammurabi Code In der Oriental. Literaturzeitung 1914. Nr. 1.