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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 1 · p. Seite 111

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 1
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 111 (sequence 15)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 111 liebt, mich als den Typus des modernen Verfallsjuden hinzustellen. Wenn etwas von Ihren Anschuldigungen begründet ist, so ist es dies: Wir wirklich modernen Juden haben aufgehört, Juden zu sein. Wir sind in unserer Seele Christen geworden. Nicht Christen nach der Form, sondern nach dem Geist.« Das ist schon wieder eine leere Redensart und weiter ganz und gar nichts und »dunkel ist der Rede Sinn«, Was ist denn das wahre Christentum? Wenn uns das nur erklärt würde. Ist es das Agathons, das wir noch nicht kennen? Ja, hören wir nur! »Das ist es,« erwidert Bojesen halb verächtlich, halb bekümmert, »was uns ins Unglück stürzt. Ja, Sie werden das Christentum aufbauen! . . . Sind wir nicht ein krankes Geschlecht bis ins Mark? . . . Was ist schuld, wenn wir den natürlichsten Vorgang des Lebens zu einem Akt der Lüsternheit machen? . . . Wenn wir nicht hinauskommen über die niedrigen Begriffe von Ehre und Nächstenliebe, wenn unsere Dichter Hysterie für Tragik nehmen? Sie, moderner Jude, sind daran schuld mit Ihrem Mystizismus und Ihrem asketischen Verlangen, der Sie ... Ihre Geliebte nur seelisch begehren, der Sie das frevelhafte Wort von der Selbstüberwindung neu prägen.« Und damit Jud’ und Christ ja nur vollkommen ihre Rollen tauschen, erklärt Nieberding: ’»Wie viel Poesie und Verklärung hat uns nur allein die katholische Kirche gegeben?« und Bojesen: »Lassen wir die Poesie beiseite samt der Verklärung. — Und reden Sie niemals per »uns«, wenn Sie so etwas sagen, das ist ein wenig komisch. Sie sind ein Emigrant und es gibt kein Bindeglied zwischen Ihnen und uns. Beachten Sie die Zeichen der Zeit. Rekrutieren Sie sich, seien Sie nicht blind.« Zwar versteht Nieberding das so wenig wie ich und mancher Andere, aber er bricht doch los: »Warum? warum? Haben wir denn noch nicht genug bezahlt? Mit Leib und Leben und Seele und Freiheit bezahlt? Ist es denn unmöglich, euch zu befriedigen? Seit

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