Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
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112 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Jahrtausenden dienen wir euch, unsere Besten haben so viel Gutes gewirkt, daß ihr es heute noch nicht einmal ermessen könnt, wir lieben eure (?!) Sprache, wir haben unser Blut für euer (?!) Vaterland vergossen . . . trotz alledem . . . ihr sprecht von Rassenhaß und Rassenkluft, wo es besser wäre, von dem Neid und dem Geifer des Stumpfsinns zu reden . . . Rekrutieren sollen wir uns? Was heißt das?« . . . »Sie haben recht«, erwidert Bojesen ernst. »Und doch kann nicht geleugnet werden, daß wir viel schneller dem Abgrund zurollen, seit die Juden eman* zipäert sind. ... Ich kenne so viele gebildete Juden, wirkliche Menschen . . . aber ich muß sagen,soliebundsympathischmirdiemeisten sind, sie haben alle einen seelischen Defekt, einen sitt liehen Krankheitsstoff, der ihre andersblütige Umgebung alsbald ansteckt. Worin das besteht, ist mir ein Rätsel. Aber sie sind es, die mich immer am schmerzlichsten empfinden lassen, daß wir im Begriffe sind, eine Nation von Säufern, Strebern und Phlegmatikern (und Enebrechern, Herr Bojesen!) zu werden.« Also weil wir, d. h. die germanischen Deutschen, nach Bojesen-Wassermann im Begriffe sind, Säufer und Streber und Phlegmatiker zu werden, besitzen selbst die gebildeten Juden, die wirklichen Menschen, alle einen seelischen Defekt, einen sittlichen Krankheitsstoff? Die Logik verstehe außer Wassermann, wer kann. Ich, Herr Wassermann, erhebe gegen diese Schmähung nicht nur für meine Person den kräftigsten Einspruch. (Fortsetzung folgt.)