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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 1 · p. Seite 110

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 1
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 110 (sequence 14)
Language
German
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110 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman modernen Juden, die voll ge sogen sind mit dem ganzen Qeist und der Überkultur des Jahrhunderts, sie sind es, die mit ihrer menschlichen Düsterkeit und geistigen Schärfe ein Pseudo- Christentum aufrichten mit Oefühiskasteiungen, fleckenloser Liebe und dergleichen. Ich weiß es nur zu gut, es ist ein altes Erbe Ihres Volkes.« Also wieder dieselben Wider- Sprüche, dieselbe sinnliche Selbstberauschung mit gedankenlosen Redensarten, dieselbe Selbstcharakterisierung, auf die ich schon hingewiesen habe. Nieberding weist ihn kurz zurück: »Seine einleuchtenden Bemerkungen mag sich dieser Herr für den Hörsaal sparen.« Jeanette nimmt theatralischen Abschied, begleitet von Bojesen, der ihr auf dem Wege doziert, das ganze Leben sei ein Symbol. Auch Jeanette erklärt ein Symbol sein zu wollen, und des Symbols halber bricht Bojesen noch in dieser Nacht die Ehe mit ihr, nachdem sie wieder symbolisch in die Spelunke, »den siebenten Himmel«, zurückgekehrt sind. Agathon aber bildet sich innerlich und auch äußerlich immer mehr zu einem unbewußten Erlöser heran. So hat er schon auf wundersame Weise seine Mutter geheilt; in der Geschichte des Sabbatai Zewi weiß er das Wahre und Erlogene, das Phantastische und Tiefsinnige wohl zu scheiden. Aber noch fehlt allen diesen Dingen der tiefere Bezug auf ihn selbst. Im Gegenteil, »mehr als sonst waren seine Nächte belebt von schwülen Bildern: nackten Frauen, die ihn neckten, die ihn zu sich zogen, ihn umarmten, ihn verlachten«, bei Tage aber übt er durch seine Geduld und Liebe selbst auf die rohesten Naturen den größten Einfluß aus, die Menschen vertrauen ihm, ohne es zu wollen. Buddha, Christus, Agathon. Bojesen verliert nach jener Nacht, in der er vom Rektor mit Jeanetten gesehen worden, seine Stellung, trifft eines Abends Nieberding vor Jeanettens Wohnung, und sie begeben sich in dessen Heim. »Sie haben,« sagt Nieberding, »neulich be-

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