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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 1 · p. Seite 107

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 1
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 107 das Fremdwort, denn im Wörterbuch steht dabei als Erklärung neben »Oedankengang« auch »Geschwätz«. »Nur in die Breite gehen sie,« fährt er fort, »und wenn sie tief scheinen (die echten Künstler nota bene!) so ist es eine Lüge«. Aber, Herr Wassermann! »Sie kommen ja (nicht Wassermann, sondern die echten Künstler) aus dem Schoß eines wunderbaren Volkes. Welche Verfolgungen, welche Unterdrückungen! Aber wie ein Wurm krümmt sich dieser Volkskörper durch die Zeiten, unerschöpflich an Lebenskraft«. Und jetzt charakterisiert sich Wassermann selbst am treffendsten: »Sie nehmen uns die Wahrheit und die Aufrichtigkeit in der Kunst ... Sie erersetzen es unbewußt (gottlob!) mit dem Schein von Wahrheit, dem Schein von Aufrichtigkeit; sie bringen uns eine Art von Sentimentalität, die sich als Naivetät gibt und mit grüblerischer Wehmut nach den Gründen der Dinge schreit... Darin liegt die »Judenfrage«, wie man das Ding läppisch nennt. Darum müßten die Juden fort und tausendmal fort ... Sie sollen sich ein Land suchen, wo es auch immer sei, sonst geht der Verfall weiter ... Das Christentum hätte schon längst ausgeatmet, wenn das Judentum nicht wäre« ... Diesem Gallimathias hört selbst der Phrasendrescher Gudstikker erstaunt zu, und er ist so voll Zweifeln und Einwänden, daß er zuletzt kein Wort herausbringt und — uns geht es gerade so. Bojesen selbst ist unglücklich, weil seine Frau, die er aus Liebe geheiratet hat, ihm nicht — sinnlich genug ist. Sein Haus ist ihm darob verekelt, und er besucht unmittelbar nach dem sinnigen Gespräch — eine Spelunke, wo er Jeanette findet. Ihre Augen sind von einem ruhigen, leidenschaftlichen Feuer. Das ist wieder »fein gezeichnet.« Agathon aber hat, wie ihm eine unwiderstehliche Stimme befohlen, in der Schule einen ketzerischen Aufsatz geschrieben, in dem er behauptet, die heutige Schule ver-

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