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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 1 · p. Seite 105

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 1
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 105 den alten Gedalja, der mit Elkan verwandt ist, auf einem Strohlager in der Scheune, während der fremde polnische Jude eine eigene Kammer erhält. Am folgenden Tage gehen die jüdischen Weiber zur Synagoge, »ln Samt und Seide, mit kostbaren Hüten und gelben Schuhen tänzelten sie an den Düngerhaufen vorbei durch das schmutzige Dorf... Es waren Mädchen dabei mit schönen zarten Gesichtern, voll jener grundlosen Schwermut, die nur den Juden eigen ist (woher das nur W. hat?), mit jenen schwarzen Augen, die keine Tiefe haben, mit den zartleuchtenden Stirnen alter Geschlechter«. Zu Agathon gesellt sich, und auch das istfein gezeichnet und wahr beobachtet, ein junges Mädchen von etwa 16 Jahren, die Tochter einer jüngst aus Polen eingewanderten Frau Olifat. Das Mädchen heißt Monika, ein besonders in Polen häufiger jüdischer Name, jüdisch wie der Agathons oder der beiden jüdischen Waisenknaben: Sema und Wendelin. Sie redet ihn in reinem Deutsch an. Wo sie das nur in Polen herbekam? Sie trägt ihm ganz unvermittelt ihre Freundschaft und das »Du« an, was sie aber durchaus nicht hindert, mit dem Christen Gudstikker ein nichts weniger als platonisches Verhältnis einzugehen. Nun ja, sie ist ja nur ein Weib, und zwar eine Jüdin von der Couleur Wassermann. An Agathon tritt seinerseits die fleischliche Versuchung in der Gestalt der lüsternen Haus* magd heran. Er entflieht aus ihrer Umarmung zu Gedalja, der ihm höchst realistische Lehren über den Umgang mit Weibern vorträgt. Der Sukkus ist: Das Weib ist gut für die Stund, wenn sie hat keine Sanftheit for den Mann (?) . .. Und wenn du hast eine große Begehr, dann gehste hin, sonst wird verstopft dein Geist und dein Gemüt... Laß dir nit einjagen Angst durch die falsche Lehren; es is kein Unglück un kein Verbrechen, es ist menschlich, und du sollst bloß schweigen davon. Un wenn de eines Tages fühlst mehr und dein Herz werd sein voll Liebe,

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