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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 1 · p. Seite 103

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 1
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 103 voll Leben, daß es nur so brennt, und ich soll das Schwein heiraten, und ich habe Ja gesagt aus Rache gegen den Leidenssüchtigen, der mich liebt und verschmäht, den ich lieben und verachten muß«. So spricht doch kaum ein reiches jüdisches Mädchen, und noch dazu zu einem siebzehnjährigen, bisher von ihr ganz übersehenen armen Verwandten, der ihr bis auf die Augen gleichgiltig ist. Und sie zieht ihn mitten unter die Gesellschaft: jüdische Kaufleute, Journalisten, Ärzte und Advokaten. »Alle Gesichter verrieten Intelligenz, aber nur jene Intelligenz des Augenblicks, die von den verborgenen Werten der Dinge nichts weiß, die an der Stunde klebt, mit der Stunde rechnet und die Augen schließt, wenn die Nacht kommt. Alle Gesichter hatten etwas Überlebtes, etwas von dem Abgeglühtsein, wie es das gemeine Leben mit sich bringt; das Edlere war verwischt von der Freude an flüchtigen Genüssen, von der Verachtung des wahren Ernstes und der Sucht, den Tag leicht zu nehmen. Ihre Macht war der greifbare Besitz und sie waren wie Sklaven, die heuchlerisch ihre in der Dunkelheit gesammelten Kräfte verstecken und sich auf die Stunde freuen, wo sie die Fäuste zeigen dürfen. Der Bräutigam Hecht hatte ein süßliches Lächeln auf den Lippen, aber in seinen Augen war die stumpfsinnige Traurigkeit eines Tieres« (siehe S. 655 des vor.Jahrg.). »Was hast du vor?« knirschte Baron Löwengard. »Was soll der Junge hier? Ich werde dich aus dem Hause peitschen lassen.« »Was ich vorhabe? Ich will einen Mann haben und keinen Getreidesack und keinen Geldschrank und keine zehnprozentigen Aktien... Was soll ich denn anfangen mit Herrn Hecht in der Nacht, wenn ich von Männern träume, die nicht ein paar Nachtlichter im Kopf haben, sondern Augen, Augen, Augen -י-?« In ihrer Raserei wirft sie ihren kostbaren Schmuck ins Kaminfeuer, reißt die Spitzen über der Brust entzwei und öffnet mit einem Ruck die Knöpfe der Taille. Während Löwengard die Tochter hihaustragen will, sucht der Bräutigam

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