Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
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100 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman aber Agathon ist siebzehn Jahre alt und weiß wohl, was er spricht. Inzwischen ist ein fremder Jude ins Haus gekommen, der sich beim Eintreten einer Magd das Gesicht mit den Händen bedeckt, um nicht durch den Anblick einer Christin verunreinigt zu werden (Vgl. S. 104). Am folgenden Morgen stürzt das Mädchen herein mit der Nachricht, Sperling sei umgebracht worden. Auf Agathons Antlitz malt sich ein irres und frohlockendes Lächeln. Wir dürfen vermuten, daß er der Mörder ist, sicher wird es im ganzen Buche nicht. Dann begibt er sich zur Schule nach Fürth, wo er an manchen Tagen übernachten muß und bei dem reichen Verwandten, dem Baron Löwengard, ein ärmliches Obdach findet. An einem solchen Abend begegnet er den Juden, die, aus dem Gottesdienst kommend, feilschen und handeln. »Als er hinsah, fühlteer, daß die Judenreligion etwas Totes sei, etwas nicht mehr zu Erweckendes, Steinernes, Gespen* sterhaftes. Er wandte seine Augen ab von den häßlichen Gesichtern voll Schachereifers und Glaubensheuchelei.« Wie er aber gleich darauf eine Bude besucht, in der die Passion Christi gezeigt wird, da begreift er, daß er um etwas betrogen worden war, ohne daß er es hatte hindern können. Von der Bude aus tritt er in eine Synagoge, wo noch die frömmsten Juden zum Abendgebet, das demnach etwas lang geraten zu sein scheint, versammelt sind. »Nachdenk־ lieh blickte Agathon in die verbissenen, steinernen Gesichter, die voll waren von einer jahrhundertalten Grausamkeit, voll Haß, Erbitterung und zelotischem Glaubenseifer. Zum erstenmal in seinem Leben wurde ihm klar, daß Jude sein eine Ausnahme sein heiße (vgl. S. 99); zum erstenmal hörte er die hebräischen Formeln (?) mit Unsicherheit und Groll, und er glaubte sich in einer verderblichen Ab* geschiedenheit, wo Verschwörungen gestiftet werden.« In diesem Gegensätze tritt natürlich wieder *die Objektivität« hervor uud das sind wohl auch »die scharfen und zutreffen*