Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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98 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman kung, daß sie deshalb nie baden, Agathon rettet sich auf einen Baum, weigert sich aber wieder ins Boot zu steigen; er will warten, bis Sperling zurückkommt und ihm sagen, daß er ein Hund sei und den Streich büßen müsse. Allzufest ist sein Entschluß nicht, denn wie am Abend der Vater wieder kommt, kehrt er doch zurück. Zu Hause macht ihm der Vater Vorstellungen, er werde alt, könne das Schulgeld für Agathon kaum aufbringen, sei bei Sperling tief verschuldet und auch sein Schwiegervater, es ist der zweiundachtzigjährige Enoch Pohl, wolle nicht helfen. Bei dem ärmlichen Abendessen wird Agathon vermißt. Es kommt Besuch, die Schwestern Rosenau und ihr Bruder Isidor: »würdig, ernst, gemessen. Er trug einen steifen, englischen Hut, Krawatten nach der neuesten Mode, umgestülpte Hosen (1885?) und hellgelbe, kotbedeckte (!) Schuhe. Seine Finger waren mit Ringen bedeckt und seine Uhr■ kette war schwer von goldenem Behängsei. Er hatte etwas Impertinentes in seinem Wesen, wie ein Mensch, dem nichts in der Welt mehr neu ist; er ging in der Stadt am liebsten dorthin, wo man ihn nicht kannte, und nichts beglückte ihn mehr, als wenn man ihn für einen Christen hielt.« Kurz, der .Judenbengel von reinstem Wasser. Helene Rosenau erzählt, sie habe Agathpn gesehen. Sperling habe eben ein kleines, altes Jüdchen mißhandelt, Agathon habe ihm ins Gesicht gespieen und sei von dem so Beschimpften wie ein Packet ins Haus getragen worden. Folgt eine »feingezeichnete« Charakterisierung Sperlings, des »Germanen, des Urbildes des Germanen.« Er haßte die Juden .unbeschreiblich; jede Gebärde, jede Stimme, jede Handlung eines Juden regte ihn auf wie Wein . . . er war ein Tier: wild, stolz, unbezähmbar, keinem Vernunftgrund der Welt zugänglich. Niemals hatte er vor einem Herrn den Nacken gebeugt (während, wie Agathon kurz vorher dem Vater vorgeworfen hat, die Juden sich alles gefallen lassen. Wenn man ihnen die Ohren abreißt, küssen sie