Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
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Das Königlich Westpbälische Konsistorium der Israeliten. 37 schmachteten, der lese die aktenmäßige Darstellung der zahllosen Plackereien und Chikanen, die der Kammeragent über sich ergehen lassen mußte (Zimmermann a. a. O.). Und doch genoß der kluge Mann die volle Gunst des Herzogs, war zum Geheimen Finanzrat emporgestiegen und durch seine zahlreichen edlen Stiftungen, durch seine wahrhaft großartige Mildtätigkeit ein Wohltäter des Landes geworden. Nicht einmal seinen ältesten Sohn Meyer als Lehrling bei der Braun Schweiger Kaufmanns-Innung eingeschrieben zu sehen, konnte er erreichen, trotz eines ausdi ücklichen Befehles der Polizeibehörde1). Ein Sturm der Entrüstung erhob sich im Lande wegen dieses bescheidenen Wunsches eines Mannes, der nur 4000 Taler jährlieh für seine eigenen Bedürfnisse, 26000 Taler für Wohltätigkeitszwecke auszugeben pflegte, eines Mannes, dem wegen seines gemeinnützigen Wirkens 1807 von der Universität Helmstädt der Ehrendoktorhut verliehen wurde. Solche Beweise schändlichen Undanks konnten nicht dazu beitragen, ihn mit Liebe zu einer Regierung zu erfüllen, unter der auch der beste Jude den meisten als verachteter Paria galt. Derartigen Stimmungen gibt sein Brief vom 30. Oktober 1811 dem Geheimrat von Strombeck gegenüber Ausdruck. »Ich hingegen«, heißt es darin, »bereichere oder beärmere (ich weiß nicht, wie ich es benennen soll) mich an Menschenkenntnis und mache solche üble Erfahrungen, daß ich wirklich große Anlage zur Misanthropie bekomme, und beinahe, wie jener franz. Autor, sagen muß: wer nach seinem vierzigsten Jahre kein Menschenfeind wird, ist nie ein Menschenfreund gewesen. Diese leidige Erfahrung wirkt, ich gestehe es selbst, auf meinen moralischen und physischen Charakter. Dieses thut mir doppelt wehe«. Auch in der westphälischen Zeit wird es ihm gewiß an Gelegenheit zu ähnlichen Erfahrungen nicht gefehlt haben bei dem so tief eingewurzelten Judenhaß. Solche Ge- *) Braunschw. Magaz. a. a. O, S. 102 ff.