Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 1 · p. Seite 78

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 1
Article
Die Schuldennot der jüdischen Gemeinde Metz
Date
1914-01-01
Page
Seite 78 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829859-2829861-2847391--41014-2847492
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

73 Die Schuldennot der jüdischen Gemeinde Metz (1791—1854). Wohltat bedeuten, doch dürfe man sich dabei nicht verhehlen, daß sie unter ihren Gläubigern, die im Vertrauen auf ihre Redlichkeit einerseits, andererseits auf die Stabilität der Verhältnisse ihr Vermögen veräußert und ganz hohe Summen ä fand perdu angelegt haben, eine nicht gewöhnliche Aufregung hervorrufen werde. Übrigens zeigten sich die Juden schon jetzt ängstlich, infolge der Emanzipation daran gehindert zu werden, ihren Obliegenheiten den Gläubigern gegenüber gerecht zu werden, da wohl ein jeder die Rechte in Anspruch zu nehmen gedenke, die ihm von der Verfassung gewährleistet würden. Jedenfalls spreche aus der vorliegenden Adresse recht deutlich die wegen ihrer Schulden auf ihnen lastende Sorge. Denn sie machten die triftigsten Gründe geltend, um die gesetzgebende Behörde zu bestimmen, für deren Tilgung das Nötige zu veranlassen. Dabei läge klar zu Tage, daß diese den einzelnen geschuldeten Lebensrenten nicht von eigentlichen Gemeindeobliegenheiten herrühren, sondern daß sie sich auf die in ihrem ganzen Wesen so ungerecht und in ihrer Wirkung so lästig empfundene jährliche Auflage von 20000 Fr, zurückführen lassen, die seit 1715 bis zum vergangenen Jahre auf der Gemeinde gelastet habe, und von der die Familie Brancas die bisherige Nutznießung hatte bis zu einer Gesamthöhe von 1500000 Fr. auf Kosten der Juden. Hierbei seien noch nicht berechnet die seinerzeit für die Verlängerung des nach ihrem Namen benannten Quais, eines im Interesse der Allgemeinheit durchgeführten öffentliehen Werkes, aufgewendeten Kosten, für die sie aufzukommen hätten. Solange nun infolge ihrer Sonderstellung die Juden eine besondere, von der Regierung genehmigte Gemeindekorporation gebildet hatten, mit der Befugnis Steuern zu erheben und selbst zu verteilen, haben sie, um ihren Verpflichtungen gerecht zu werden, in zweckentsprechender Weise Anleihen aufgenomtnen und durch Gewährung von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.