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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 1 · p. Seite 30

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 1
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1914-01-01
Page
Seite 30 (sequence 15)
Language
German
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30 Eine unbekannte jüdische Sekte. bindende Kraft besitzen. Die Behauptung, die man häufig bei christlichen Gelehrten trifft, daß das rabbinische Judentum die prophetischen Schriften und Hagiographen, nicht so hoch schätze wie den Pentateuch, weil sie diese nicht als Gesetzesquelle gelten läßt, enthält demnach einen doppelten Irrtum. Erstens ist, wie wir gesehen haben, sogar der Pentateuch nicht in allen seinen Teilen Gesetzesquelle, und doch wird niemand ernstlich behaupten wollen, daß das erste Buch Moses den Rabbinen weniger heilig war als das zweite oder dritte. Ferner vertreten sie die Ansicht, daß die Aufgabe der Propheten eine andere war als die Moses* *; dieser ist in erster Reihe der Verkünder des Gesetzes, jene die Ermahner zur Beobachtung dieses Gesetzes, dessen Inhalt sie dem Volke erklären und näher bringen wollen, während sie ihm nichts hinzuzufügen hatten noch daran dachten, von ihm etwas hinwegzunehmen. Eines Gegensatzes zwischen Gesetz und Prophetie, wenn es überhaupt einen solchen gibt, waren sich die Rabbinen sicher nicht bewußt. Die Propheten galten ihnen vielmehr als die maßgebendsten Ausleger des Gesetzes. Es ist daher grundfalsch zu behaupten, daß die Propheten den Rabbinen nicht als gesetzliche Autoritäten galten, und schon ein flüchtiger Blick auf die Mischna, in welcher Gesetzsammlung nicht weniger als 145 Zitate1) aus den nicht pentateuchischen Büchern sich finden, genügt, um von der Grundlosigkeit einer solchen Behauptung sich zu überzeugen. Zum Überflüsse sei jedoch hier noch auf einige wichtige Halachot hingewiesen, welche die Mischna von den Propheten und Hagiographen2) herleitet. *) Also etwa halb so viel als die Zitate aus dem Pentateuch, deren Zahl 308 beträgt; vgl. die Zusammenstellung der biblischen Zitate in der Mischna bei Aicher, Das A, Test, in d. Mischna, Freiburg 1906, und Pinner, Talmud Babli, Traktat Berachot, Berlin 1842. *) Einen Unterschied zwischen der zweiten und dritten Gruppe des Kanons kennt das talmudische Zeitalter nicht; vgl. Blau, Zur Einleitung a. a. O. und Malter in der JQR. Neue Serie I, 482. Es sei

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