Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 12)
- Language
- German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 27 Seele der Thorah Moses zuzuwenden«. Daher besteht die Aufnahme in die Sekte darin, daß »der Censor» dem neu eintretenden Mitgliede einen Eid abnimmt, die Thorah Moses gemäß den Lehren der Sekte zu beobachten1). Bei dem strenggesetzlichen Charakter dieser Sekte ist es auch gar nicht anders zu erwarten, als daß die Thorah Moses, d. h. das Gesetz, als die Grundlage des Glaubens erscheint. Bezeichnend für den Standpunkt unserer Schrift ist es, daß sie Halachot nur aus dem gesetzlichen Teile des Pentateuchs ableitet. Das Verbot der Polygamie wird begründet mit einem Hinweise auf die Gesetzesvorschriften in Deut. XVII, IT2 *), während die Stellen Gen. 1, 27, VH, 9 nur als eine »Anlehnung«, אסמכתא, erwähnt sind, weshalb sie auch nicht mit der Zitierungsformel כתוב oder אמר angeführt werden. Dies entspricht der im Talmud geltenden8) Regel אין למדין דבר קודם מתן תורה, »nur die Moses offenbarten Gesetze sind bindend, aber nicht die von den früheren Frommen beobachteten Gebräuche«4 * * *). Es zeigt sich in diesem Falle ganz deutlich, wie der Standpunkt unserer Schrift dem der Rabbinen nahe kommt, während das Buch der Jubiläen den größten Teil des Gesetzes auf die vormosaischen Geschlechter zurückführt und in dieser Tendenz so weit geht, daß es — XXVIII, 6 — auf Grund der Worte Labans — Gen. XXIX, 26 — ein Gesetz statuiert, wonach es verboten ist, die jüngere Tochter vor der älteren zu verheiraten! Andere £) Vgl. 15, 10 »Und niemand teile ihm die Gesetze — der Sekte — mit, bis daß er vor dem Censor erscheint, dann usw.« 2) Nach der Ansicht der Sekte will diese biblische Stelle sagen, daß sogar dem König Vielweiberei verboten ist, geschweige denn jedem anderen. 8) Jer. Moed. k. III, 82c; vgl. auch Mischna ChuIIin VII, 6, wo schon das Prinzip vorausgesetzt wird. R. H. Chajes in seinem Werke 29 תורת נביאים c ff. handelt ausführlich über diesen Grundsatz. 4) Auf Grund dieser Annahme wird Jer. a. a. O. behauptet, daß die siebentägige Trauer nicht aus der siebentägigen Trauer um Jacob — Gen. L, 10 ״ abgeleitet werden könne; LXX übersetzen dagegen שבעת ימים an dieser Stelle mit tö