Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums. isolierten Menschen—dieser gehört der Biologie an — sondern um den wollenden, handelnden, sozialen Menschen, um die Idee des Menschen; das Individuum der Ethik bedeutet nur die Korrelation zur Gemeinschaft. Es entsteht erst in der Allheit; der Begriff des Menschen muß erst im Begriffe der Menschheit ergründet werden. In der Idee der Menschheit, der Allheit, entdeckt die Ethik die Idee des Menschen, des lndividuums. So muß die Selbständigkeit der Ethik gegenüber der Logik und der Psychologie befestigt werden: das Sein der Ethik ist nicht das Natursein der Logik, der Mensch der Ethik ist nicht der Naturmensch der Psychologie. Sollte nun diese Selbständigkeit der Probleme eine gegenseitige Relation ausschließen? Fordert nicht vielmehr die Einheit des Kuiturbewußtseins einen Zusammenhang unter den verschiedenen Arten der Erkenntnisse? Und operiert nicht die Ethik mit Begriffen, also: mit Instrumenten der Logik? Ist doch die Ethik Logik der Geistes- Wissenschaften; sie ist moralisches Erkennen, praktische Vernunft; sie ist also nicht etwas Selbstverständliches, sondern bedarf der Begründung. Und wie soll diese Begründung ohne Logik von statten gehen? Dieser methodische Zusammenhang hat sich, wie wir im vorigen Kapitel ausführten, als Überleitung vom erkenntnistheoretischen Idealismus zum ethischen Idealismus bewährt: das Denken als Erzeugung des Seins legitimiert die Idee als Ursprung des Denkens und somit den wissenschaftlichen Idealismus der Ethik. Es ist nicht von ungefähr, daß Platon der Urheber der klassischen Logik und auch der Schöpfer der Ethik ist. Ist doch die Ethik die Logik der Menschenwelt. So ist die Verbindung von Logik und Ethik neben der Bewahrung ihrer Selbständigkeit durchgeführt. Aber soll dieser Zusammenhang bloß in der Methode bestehen? Darf es dabei sein Bewenden haben?