Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Hermann Cohens methodische Begründung des- Judentums. 9 zistischen Ethik besteht eben in ihrer Identitätslehre von inteliectus und voluntas: niemand fehle freiwillig; das Verbrechen sei ein logischer Irrtum. Der Wille könne daher kein selbständiges Problem bilden, da er bereits im Problem des Denkens enthalten sein sollte. Durch diese Gleichsetzung der theoretischen und praktischen Vernunft würde das Interesse der Logik ebenso wie das der Ethik verletzt und geschädigt. So müßte die Logik durch Aufhebung der Metaphysik in Ethik, wie unser erstes Kapitel hervorgehoben hat, der romantischen Philosophie der Int u i t i o n preisgegeben werden. Die Ethik könnte dabei auch nichts gewinnen; vielmehr erwiese sich in diesem Identitäts- System die Sterilität der Ethik für die Geisteswissenschäften. Ist die Erkenntnis des Guten (cognitio boni) ein Affekt, so konnte die Parole Hobbes eine berechtigte An- Wendung finden: Recht ist Macht. Daher muß die Ethik als »Ethik des reinen Willens« verkündet werden. Wille ist weder Denken noch Begehren. Er darf auch nicht in die Gesinnung verlegt werden: hiermit wäre er zum Denken nivelliert. Der Wille darf nicht seinen Inhalt dem Triebe entlehnen, sondern muß seinen Inhalt erzeugen. Diese Tendenz ist daher als Aufgabe zu bezeichnen. Nicht Gegebenes, sondern Aufgegebenes. Die Aufgabe ist auf die Zukunft gerichtet. Dieses Sollen als Aufgabe ist das Sein des Sittlichen. Daher hat Kant das Sein des Sittlichen als das Sollen von dem Sein der Natur streng unterschieden. Schon die Identität von Sein und Denken läßt die Identitätslehre von Sein und Sollen nicht zu; sonst müßte das Denken gleich Sollen gesetzt werden. Der Gegenstand der Logik ist die Natur; der der Ethik — der Mensch. Die Menschen sind keine Naturkörper, keine mathematischen Figuren, wie sie etwa in Spinozas Ethik aussehen; und ihre Handlungen nicht more geometrico zu bestimmen. In der Ethik des reinen Willens handelt es sich nicht um den gegebenen leibhaften