Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Hersnann Cohens methodische Begründung des Judentums. 7 Ethik fruchtbar gemacht werden; so muß der erkenntnistheoretische Idealismus zum ethischen führen. Wo ist nun die Direktive? Folgender Gedankengang soll den Weg bezeichnen, der von der Logik zur Ethik führt. Das Denken ist souverän. Das Denken ist nicht Vorstellung; diese empfängt, das Denken gibt: es gibt sich Gesetze. Die Vorstellung erleidet das Sein; das Denken hingegen erzeugt das Sein. Diese methodische Wertschätzung der Idee bildet die Verbindungslinie zwischen erkenntnistheoretischem und ethischem Idealismus. Lehrt uns die Logik: das Denken äst souverän, so ist hiermit die Grundlage für die Lehre der Ethik gegeben: der Mensch ist souverän. In der Logik handelt es sich um das Problem: Was ist? ln der Ethik wird gefragt: Was soll? Dort wird das Sein, hier das Seinsollen gelehrt. Hat sich nun die Idee als Methode für die Erzeugung des Seins bewährt, umsomehr muß sie das Seinsollen bestimmen; ist die Idee Realität des Seins, umsomehr muß sie Realität für das Seinsollen beanspruchen. So wird im erkenntnistheoretischen Ide* alismus die Reife des Menschen für den ethischen Idealismus legitimiert. Die Selbstgesetzgebung der Logik ermöglicht die Autonomie der Ethik. Daher geht die Logik der Ethik voran. Dieses Vorangehen der Logik im System der Philosophie bedeutet nicht einen Vorgang, geschweige ein Vorrecht. Es ist ein methodischer Vorzug. Wird die Logik als Königin der Wissenschaften gefeiert, so darf die Ethik keineswegs zur Sklavin dieser Königin degradiert werden. Es gilt vielmehr der Primat der praktischen Vernunft. Die Logik hätte keinen Zweck, wenn es keine Ethik geben soll. Wozu denn die Frage: Was ist? wenn nicht die Frage: Was soll? Es wäre doch nörgelnde Klügelei und wertlose Gelahrtheit, sollten unsere Forschungen für die Ethik nicht