Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829859-2829861-2847388--40939-2847420- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6 Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums. uns gegeben werden, fordert Cohen die Ursprünglichkeit der Erkenntnis, verkündet die Erzeugung des Seins durch das Denken. In diesem Sinne ist die Identität von Denken und Sein, wie sie Parmenides lehrt, entstanden. Das Denken erzeugt die Prinzipien, die Grundlagen des Seins. Generatio — dieser Ausdruck der neuen Mathematik soll das Motto der Logik sein. Die Idee des Infinitesimalen ist die Grundlage der mathematischen Realität. Das Unendliche bildet den Grund des Endlichen. Die Regeln des Endlichen, sagt Leibnitz, reüssieren im Unendlichkleinen. Durch diese »Idee des Ursprungs« ist Cohen ein Wiedererwecker des Platonismus, ein Schüler Kants und der Begründer einer neuen philosophischen Schule. Es ist völlig falsch, wenn man, wie ja viele in gutemund schlechtem Glauben tun, die Bedeutung Cohens für die Philosophie lediglich auf seine Interpretation der Kantschen Werke einschränkt. Freilich hat er sich um die Rekonstruktion des Kantischen Systems große Verdienste erworben, seine Bedeutung aber ist darin beiweitem nicht erschöpft. Sie besteht vielmehr in der selbständigen Denkart Cohens, die, wenn auch ihre Methode die Kantsche ist, ein neues System der Philosophie darstellt. II. Grundlagen der Ethik. Wir sahen, daß die Erkenntnistheorie Cohens den Idealismus im strengsten Sinne vertritt. Nun soll die Logik in eine Korrelation zur Ethik gesetzt werden: die Grundlagen des moralischen Denkens müssen den Grundlagen des erkenntnistheoretischen Denkens analog sein. Freilich darf dadurch die Selbständigkeit der Ethik nicht verloren gehen; es soll aber die Einheit des Kuiturbewußtseins durch die gegenseitigen Beziehungen der drei Grundrichtupgen der Kultur — Logik, Ethik und Aesthetik — gefordert und begründet werden. Besteht einmal eine solche Korrelation, so müssen die Methoden der Logik für die