Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums. 5 die Philosophie in Religionsphiiosophie, die Metaphysik in Ethik authob. Hier ist der geschichtliche Unterschied zwischen wissenschaftlicher Philosophie und romantischem Denken der Intuition. Plato, Kepler, Galilei, Newton, Leibnitz, Kant sind für Cohen die Klassiker des Wissenschaftliehen Denkens. Am Anfang ist die Idee, die gesetzgebende Vernunft. Der Mensch schafft die Welt in seiner Idee, das Denken erzeugt die Grundlagen des Seins. Das ist die lebendige Schöpfung des Geistes. Das Denken darf nicht den Ursprung außerhalb seiner selbst haben; weder in der Sinniichkeit noch in der Anschauung. Das Denken soll seine Kraft im Erzeugen des Seins erproben. Wir dürfen nichts Gegebenes, das dem Denken vorausginge, als Grundlage ansehen. Das Denken darf nicht auf Gaben seitens der Vor- Stellung oder Empfindung angewiesen werden, wenn anders seine Selbständigkeit oder Ursprünglichkeit gefordert werden muß. So soll die Logik rein von psychologischer Beimischung, die Erkenntnis rein von Empfindung sein, »Logik der reinen Erkenntnis«. Wie das Prinzip der Infinitesimalen in der Mathematik und wie die Hypothesis in der Mechanik, so ist die Idee die Grundlage des Denkens; Grundlage, die zugleich Grundlegung ist. In der Renaissance der Mathematik und der Mechanik hat sich die Platonische Idee als Methode bewährt. Durch die Idee erhält das Reine der Erkenntnis seinen methodischen Wert, denn die Idee ist die Rechenschaft des Begriffes, ist das Selbstbewußtsein des Begriffes. Das Denken wird dadurch Ursprung seiner selbst. So ist Cohen der strengste Idealist in der Erkenntnistheorie. In dieser Hinsicht geht er noch viel weiter als Kant. Er bezeichnet es als eine Schwäche in der Grundlegung der Kantischen Philosophie, daß sie der Logik eine Aesthetik, dem Denken die Anschauung vorausgehen läßt. Während nach Kant die Dinge vermittelst der Sinnlichkeit