Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829859-2829861-2847388--40937-2847418- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums. 1. Die Methodik. Hermann Cohen ist, wie bereits hervorgehoben, als Ethiker Verfechter der jüdischen Sittenlehre. Und die Ethik ist ein Teil im philosophischen System, der mit der Logik in einem methodischen Zusammenhang steht^Es ist, wie wir sehen werden, der Idealismus, der die Verbindungslinie zwischen Logik und Ethik bildet. Es ist daher nicht von ungefähr, wenn Cohen das fundamentale Werk »Logik der reinen Erkenntnis«:, das erste Buch seines philosophischen Systems — ein Buch, an das man doch mit dem ruhigen Gewissen herantritt: dieses ist nun einmal sicherlich »judenrein« — mit einer Vorrede versehen hat, in der er sein ethisch-jüdisches Credo ablegt1). Als Erkenntnistheoretiker istCohen von bahnbrechender Bedeutung. Er verkündet die Macht der Vernunft und kämpft gegen alle Mystik und Romantik. Die Kultur hat das wissenschaftliche Denken zu ihrer Voraussetzung. Die Wissenschaft ist die alleinige Quelle der Wahrheit. Daher muß die Philosophie, wenn sie nicht das Erzeugnis etwaigen Geistreichen, sondern das System des Kultur-Denkens, sein soll, auf den Prinzipien der exakten Wissenschaften aufgebaut werden. Daher hat Kant die Methode Newtons als das System der Methoden akzeptiert, während Spinoza ג) Er sagt: »Endlich noch ein persönliches Wort, ohne dessen freimütige Aussprache ich in dem Momente, da ich einen Teil meiner Lebensarbeit der Öffentlichkeit übergebe, der Unaufrichtigkeit mich bezichtigen müßte. Die allgemeine Weltlage widerspricht dem Geiste echter Philosophie, der immerdar die Weltanschauung des Idealismus darstellt. Selbst der deutsche Sinn ist von seiner weltbürgerlichen Richtung abgeirrt. Daher die Hintan Stellung von Recht und Gerechtigkeit hinter Moral und Wohlfahrt und die Zurücksetzung von Humanität hinter der Religion. Trotz aller dieser traurigen und kränkenden, Sturmfahnen halte ich die Zuversicht auf den Sieg der Freiheit und der Wahrheit fest. Und es ist nicht allein mein Glaube an die religiöse Wahrheit des Messianismus, der solchen Optimismus in jeder Zeit und Leben släge zum Leitstern macht«..s