Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829851-2829853-2847235--40203-2847362- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Besprechung. 107 der Verfasser des Kohelethbuches seine eigenen Betrachtungen in den Mund legt, kann nur der die größte Weisheit mit der größten Möglichkeit des Lebensgenusses in sich vereinigende Salomo, Sohn Davids sein. Mit nichts zu wünschen übrig lassender Deutlichkeit ist in den einleitenden Betrachtungen auf diese beiden, in ihrer Vereinigung für Salomo charakteristischen Momente hingewiesen (1, 16; 2, 4 — 12); und auf wen anders als Salomo paßt die Liste der Betätigung von Reichtum, Schaffenskraft und Weltlust, wie sie an der zuletzt zitierten Stelle vorliegt, und die mit der Bautätigkeit beginnt und den Wonnen des Harems endigt. Wie könnte diese Liste mit dem Leben eines Schulhauptes im Jerusalem des dritten vorchristlichen Jahrhunderts, selbst als Hyperbel verstanden, in Einklang gebracht werden! Obwohl aus dem angeführten Grunde die Hauptthese Ludwig Levys, seine gleichsam sensationelle Entdeckung, abgelehnt werden muß, gebührt ihm die volle Anerkennung, daß er durch seine Arbeit das Verständnis des Kohelethbuches wesentlich gefördert hat. Wenn man sich auch nicht mit allem einverstanden erklären kann, was vom Einflüsse der griechischen philosophischen Schulen auf den Inhalt und auf die literarische Form des biblischen Buches gesagt ist, so fällt durch die Argumentation des Verfassers und das von ihm in übersichtlicher Weise dargebotene Material helles Licht auf den Gedankengang und die Darstellungsform des Koheleth; besonders dankenswert ist die Beseitigung der Schwierigkeiten, welche »viele Kommentatorea zur Leugnung der Einheitlichkeit des Buches und zur Annahme vieler späterer Zusätze geführt haben« (S. 61). Die Übersetzung ist treu und geschmackvoll und bietet nur selten Anlaß zur Richtigstellung1), aber natürlich beziehen sich die nachher folgenden Einwände gegen die Auffassung einzelner Stellen zuweilen auch auf die Übersetzung. Der Kommentar zeigt dieselben Vorzüge klarer Darstellung, durch die sich die einleitenden Abschnitte auszeichneti. In der Wiedergabe und Kritik früherer Erklärungen maßhaltend, legt er dauernd Zeugnis ab von eingehender Berücksichtigung der exegetischen Literatur. In einem besonderen Anhänge (S. 144 -152), dessen Inhalt den Lesern dieser Monatsschrift bereits bekannt ist (Jahrg. 1911, S. 531—542), gibt der Verfasser eine neue Erklärung zu 5,3 (»Eine Zeit Steine zu werfen und eine Zeit Steine *) Das Wort דעת übersetzt L. 1,16 ungenau mit »Einsicht«, ebenso 2,23 und 26 (in 7,12 und 9,10 richtiger »Erkenntnis«). — In der Über- Setzung von 2, 14 ist גם nicht berücksichtigt. — »Thema« (3,10) ist auch sachlich unrichtig (vgl. 1, 13). »Kühnheit« ist zur Wiedergabe עז פניו (8, 1) zu schwach.