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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 1 · p. Seite 106

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1913-01-01
Page
Seite 106 (sequence 4)
Language
German
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106 Besprechung. aus dem Berichte ergebenden Argumentation nimmt er auf ihn gar keine Rücksicht, sondern stellt den Tatbestand so dar, als ob Zadok und Boethos selbst es gewesen wären, die den Ausspruch ihres Meisters im Sinne jener Folgerung deuteten» Es ist nun allerdings in dem Berichte des Ab. di R. N. auffallend, daß nach ihm erst die Schüler der Schüler des Z. und B. die Sekten "der Sadduzäer und Boethosäer begründeten, diese aber dennoch nach ihnen benannt wurden; aber dieser Wider״ spruch berechtigt nicht zur Verwertung des Berichtes in einem seinem klaren Inhalte zuwiderlaufenden Sinne. Eher kann auch dieser Widerspruch dazu beitragen, die Zweifel an der Geschichtlichkeit des ganzen Berichtes zu verstärken. Wie aber verhält es sich mit dem andern Grundpfeiler der Hypothese Ludwig Levys! Wie schon erwähnt, nimmt L. an, daß die Selbstbezeichnung Kohe'Ieths als König (1, 12; 2,12) ihn als Weisen und Schriftgelehrten und zwar, da er König »über Israel in Jerusalem« ist, als die anerkannte leitende Autorität als Schulhaupt kennzeichnen soll, in welchem Sinne denn auch der Eigenname, den er sich selbst beilegt, כ]הלת, zu verstehen sei. Die für letztem Namen gegebene Erläuterung »der die Menschenherde beisammenhält, der Menscheuhirt« (S. 30), ist höchst problematisch und wird durch die angebliche Analogie des Buchtitels »Führer der Irrenden« des Maimonides nicht annehmbarer. Plausibler erscheint die Erklärung von »König« als Epitheton der Schriftgelehrten. Aber die aus dem Talmud gebrachten Beweise sind späteren Ursprunges; Anschauung und Sprachgebrauch der babylonischen Amoräer kann nicht für das Verständnis eines um ein halbes Jahrtausend älteren palästinischen Literaturwerkes verwendet werden. Aber auch an, sich ist die Voraussetzung, daß der Verfasser des Kohelethbuches als den Urheber der in seinem Buche dem Ko״ heleih in den Mund gelegten Betrachtungen nicht einen König und zwar den »Sohn Davids, König in Jerusalem«, wie ihn die Überschrift (1, l) ausdrücklich bezeichnet, also den König Salomo, gemeint haben soll, schwer geltend zu machen. Die alte jüdische Tradition, die Koheieth mit Salomo identifiziert, und die — falls die Überschrift des Buches erst späterer Zusatz ist — in dieser Überschrift zuerst zum Ausdrucke gelangte, war auf der richtigen Fährte. Der König, dem sprünglich auch in der zweiten Version: ותלמידיהם לתלמידיהם. Mit der Angabe der zweiten Version: »daß sie den Satz des Antigonos ohne Erläuterung gelehrt haben,« soll jedenfalls gesagt sein, daß Zadok und Boethos und ihre Schüler dem tradierten Ausspruche des Antigonos nicht die richtige Erklärung beifügten und dadurch die ketzerische Erklärung der Schüler veraniaßten.

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