Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Judengesetzgebung Friedrich Wilhelms II.
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 20)
- Language
- German
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Die Judengesetzgebung Friedrich Wilhelms II. 93 Schrift: »Ob die bürgerliche Freiheit den Juden zu gestatten sei?« Werder gegen die Juden einzunehmen1 2), fiel sein Gutachten vom 28. Oktober nicht schlecht aus. Er plädierte für die Ausdehnung ihrer Erwerbsmöglichkeiten, die Reform ihrer Toleranzgesetze, die Aufhebung des Ceremonialzwanges und der rabbinischen Autorität, die eventuelle Heranziehung zum Kriegsdienst, schließlich für die Ernennung einer Kommission*). Friedrich Wilhelm überwies durch Kabinettsordre vom 31. Oktober das Referat an das Generaldirektorium mit dem Befehl, zur gründlichen Untersuchung eine Kommission niederzusetzen, sie gehörig zu instruieren und demnächst von der ganzen Sache gutachtlich zu berichten3). III. Dem Generaldirektorium im ganzen war eine tolerante Lösung der Judenfrage nicht genehm. Es betrachtete sich als den Hort der Überlieferungen Friedrichs des Großen und setzte den Reformen des neuen Königs eine grundsätzliche Opposition entgegen. Es leistete, ihm in der Frage der Freigebung des Getreidehandels heftigen Widerstand, der nur zeitweilig gebrochen wurde, um zuletzt dennoch zu triumphieren4); es drückte seinen Willen in der Beibehaltung des Lottos durch, dessen Beseitigung der König mit frischem Eifer unter seinen ersten Regierungs־ maßnahmen angebahnt hatte5). Die Sympathie der Behörde, *) Geiger, I, S. 129, II, S. 155 ff- Seine Argumente waren: der Juden Unfähigkeit zum Militärdienst, ihr besonderes Recht, die Menge ihrer Feiertage, deren er 282 ausrechnete usw.; s. auch II, S. 153, 2) Geiger, II, S. 163 f., AUgem. Ztg. d. J., S. 205. s) Allgem. Ztg. d. J-, S. 205, Fhilippson, I, S. 375, Friedländer, S. 42 f. ף Heigel I, S, 75. 5) Heigel I, S. 75, Prufz, S. 256, Philippson I, S. 262 ff. Auch hier lag ein Ratschlag Mirabeaus vor (Heigel I, S. 66, Prutz, S. 252). Übrigens beschäftigte die Lotterie jüdische Kollekteure, Philippson II, S. 185.