Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Judengesetzgebung Friedrich Wilhelms II.
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 13)
- Language
- German
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86 Die Judengesetzgebung Friedrich Wilhelms II. Zusätzen nahezu unverändert in die definitive Fassung der Instruktion über, welche hauptsächlich von Wöllner herrührte. Nr. 39, Judensachen betitelt, beließ alles, was die politische Verfassung, die Toleranz und Ansetzung der Juden, auch deren Gewerbe betraf, dem Generaldirektorium, riet ihm aber trotz der Einschärfung des Reglements von 1750 angelegentlich, mit Nachdruck auf eine Erleichterung der jüdischen Nation zu halten1). So verstand es sich beinahe von selbst, daß die Eingaben, mit denen die Juden nun nicht länger zögerten, bereitwillig Gehör und Nachsicht fanden. Am 25. Dezember 1786 richteten die Oberlandesältesten und Ältesten der Berliner Judenschaft eine erste Petition an den König. Ihr reihte sich unter dem Datum des 6. Februar 1787 eine zweite Eingabe an, die unter kurzer Darlegung der bestehenden Verhältnisse in dem Wunsche gipfelte, der König möge eine Kommission ernennen, die mit Zuziehung einiger Vertreter der Judenschaft ihre gegenwärtige Verfassung untersuchen und mit ihnen gemeinsam Mittel und Wege ausfindig machen solle zur Verbesserung des Zustandes der Kolonie, zu ihrer Nutzbarmachung für den Staat* *). Eine Kabinettsordre vom 21. Februar genehmigte ') Allgem. Ztg. d. J., S. 204, Anm. 5, Philippson, I, S. 165 f., 374, II (Leipzig 1882), S. 352. *) Freudenthal S. 46 f. gibt das Datum der ersten Eingabe, verwechselt sie aber mit der Februar-Petition, deren Wortlaut Geiger II, S. 159 f. abdruclct (vgl. Geiger, I, S. 132, Allg. Ztg.d.J. S. 204 L). Die Dezember-Petition ist Geiger unbekannt geblieben, Freudenthal hat sie anscheinend im Breslauer Gemeindearchiv gesehen, in dem augenblicklich das fragliche Aktenkonvolut nicht auffindbar ist. Ihren Inhalt gibt David Friedländer, Akten-Stücke, die Reform der Jüdischen Kolonieen in den Preußischen Staaten betreffend. Verfaßt, herausgegeben u. mit einer Einleitung versehen, Berlin, 1793, S. 42 dahin an, man habe die Gnade des allergütigsten Monarchen angefleht und unmittelbar um Verminderung der Lasten und um Bewilligung eines Anteils an den Gerechtsamen der übrigen Untertanen gebeten. Dafür kennt Friedländer offenbar die Februar-Petition nicht: so erklärt sich