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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 1 · p. Seite 77

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 1
Article
Die Judengesetzgebung Friedrich Wilhelms II.
Date
1913-01-01
Page
Seite 77 (sequence 4)
Language
German
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Die Judengesetzgebung Friedrich Wilhelms II. 77 bildete1). Obschon Friedrich Wilhelm in seiner Danksagung vom 7. Juli 1784 dieser Ratschläge keine spezielle Erwähnung tat2), darf man damit rechnen, daß sie gleich allen Reformen, die ihm Wöllner in jener Zeit vortrug, in seinem Gedächtnis hafteten, zumal auch sie zu den Grundsätzen seines Oheims einen entschiedenen Gegensatz bildeten. Er war somit nicht übel vorbereitet, als am Tage seiner Thronbesteigung ein zweiter Vorstoß in dieser Richtung erfolgte, von dem wiederum zu vermuten steht, daß die Juden noch nicht unmittelbar an ihm beteiligt waren. Er ging von Mirabeau aus, der in seinem umfänglichen Reformprogramm vom 17. August 1786 einen eigenen Abschnitt den Juden widmete. Bei seinem ersten Berliner Aufenthalt zu Anfang des Jahres hatte er die vornehmen Gesellschaftskreise der hauptstädtischen Juden kennen gelernt3). Der Verkehr mit ihnen vertiefte den Eindruck, welchen Dohms Schrift »Über die bürgerliche Verbesserung der Juden« auf ihn gemacht hatte; in der Abschiedsaudienz, die Friedrich der Große im April ihm gewährte, brachte er das Gespräch auf dieses Thema4). Als er in Paris daran ging, für den bevorstehenden Thronwechsel in brieflicher Form eine Liste von Reform- Vorschlägen zusammenzutragen — nach seiner Rückkehr ließ er sie dem neuen Könige noch am ersten Regierungstage zustellen —, übersah er die Juden nicht. Indem er für jegliche Religion unbeschränkte Duldung forderte, begehrte er ein Edikt, das den Juden volle bürgerliche Freiheit einräumte. Er schmeichelte Friedrich Wilhelm mit *) Preuß, a. a. O., S. 596 {.; vgl. Philippson, I, 86 f. und 374. Auch Adolf Stölzel, Carl Gottlieb Svarez. Berlin 1885, S. 252 f. führt den Vorschlag »der Curiosität halber« an. Die geschichtlichen Beispiele, auf die sich Wöllner beruft, um die Tapferkeit der Juden zu erweisen, dürften entnommen sein aus Chr. Wilh. Dohm, Über die bürgerliche Verbesserung der Juden, 2. Teil, Berlin-Stettin 1783, S. 238 L s) Preuß, a. a. O., S. 595. *) Alfred Stern, Das Leben Mirabeaus, Bd. I, Berlin 1889, S. 196. 4) Stern, a. a. Ö., S. 199.

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