Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Judengesetzgebung Friedrich Wilhelms II.
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 5)
- Language
- German
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78 Die Judengesetzgebung Friedrich Wilhelms II. dem Hinweis darauf, daß er kraft einer solchen Wohltat an religiöser Toleranz seinen berühmten Vorgänger, d. h. den tolerantesten Fürsten, der jemals gewesen, übertreffen werde. Er zählte die ersprießlichen Folgen auf, die daraus entspringen würden, den zahlreichen Zuwachs an Bevölkerung und Kapitalien auf Kosten der anderen Länder, die Entwicklung der Juden zu guten, nützlichen Bürgern, die man, um sie das werden zu lassefi, nur zu Handwerk und Ackerbau zu ermutigen, von den lästigen Sonderabgaben zu befreien, wie die übrigen Untertanen den ordentlichen Gerichten zu unterstellen brauche. Mirabeau beschwor den Herrscher, einen derartigen Erlaß zu veröffentlichen, um dadurch die Vorurteile, die man ihm zuschreibe, Lügen zu strafen und zu zeigen, daß seine Achtung vor den religiösen Überzeugungen seiner Achtung vor dem höchsten Wesen entspreche und er weit davon entfernt sei, die Art von dessen Anbetung vorschreiben zu wollen1). Wenige Tage nachher bestätigte ein königliches Schreiben dankend den Empfang; Mirabeau meinte, was insbesondere die Juden .anbelangt, unwiderjegliche, doch geheim zu haltende Gründe dafür zu besitzen, daß die Besorgnisse, die einige von jenen hegten, der Berechtigung entbehrten2). Er verfolgte inzwischen seit Mitte August den Plan einer Parallelaktion. Um den König, welchem die beiden Bände des Dohmschen Werkes in die Hände geschmuggelt waren3), zu Gunsten der Juden weiter anzuspornen, wollte er den literarischen Journalen Frankreichs einen Aufsatz über Mendelssohn einsenden, zugleich eine natürliche Gelegenheit, von der jüdischen Kolonie in Berlin zu sprechen. Er wandte sich, *) Lettre remise ä Frederic-Guilleaume II, roi regnant de Prasse, le jour de son aveaement au frone par le Comte de Mirabeau, Berlin -1787, S. 39 f.; vgl. Stern a. a. O., S. 205, Philippson 1, S. 99. s) Lettres du Comte de Mirabeau ä un de ses amis en Alleunagne, 1792, S. 24. ») Das. S. 7.