Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 1 · p. Seite 70

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 1
Article
Jakob Polak, der Baal Chillukim in Krakau und seine Zeit
Date
1913-01-01
Page
Seite 70 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829851-2829853-2847232--40163-2847325
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

70 Jakob Polak, der Baal Chillukim in Krakau, und seine Zeit. Prozeßverfahren führte zu keinem Ergebnis, und die ganze Angelegenheit verlief im Sande* 1). Inzwischen wurde die Einwanderung der Böhmen allgemach stärker. Am 5. August 1499 vertrieb man die Juden aus Karlsbad, am 29. August 1502 beschloß der Gemeinderat von Neu-Prag (Nove Mesto Praske) die Juden abzuschaffen, im Jahre 1504 vertrieb man sie aus Pilsen, in demselben Jahre wurden zwei Juden in Strakonitz verbrannt, am 16. Dezember 1506 verjagte man die Juden aus Iglaü und verwandelte ihre Synagoge in eine Kirche. Im Jahre 1507 beschloß der Stadtrat von Prag- Altstadt, die Juden nur noch ein Jahr zu halten, am 28. Mai 1508 schenkte König Ladislaus den Bürgern von Budweis die Häuser der dort ermordeten Juden, am 11. Juni 1508 beließ der König die Juden in Böhmen noch für ein Jahr, und am 18. Februar 1514 vertrieb er sie aus der letzten mährischen Stadt: Ungarisch-Hradisch. In Prag lebten die Juden damals auf Kündigungsfrist und wußten nie, wie lange sie noch würden bleiben dürfen. In den Jahren 1508 und 1517 machte der Stadtrat Vorbereitungen, sich der Juden zu entledigen, im Jahre 1518 begannen die Verhandlungeri mit den Juden, und im Jahre 1524 wurde der Beschluß gefaßt, die Juden gänzlich aus Prag zu vertreiben (aby 2idüv vic w Prazskem meste nebylo, ani nevestek, ani povalecuv). Im Jahre 1541 wurden die böhmischen Juden (ähnlich wie die polnischen) angeklagt, daß sie sich heimlich mit den Türken verständigten, und König Ferdinand I. sprach ihre unwiederrufliche Vertreibung aus Böhmen aus.2) Alle Vertriebenen wandten sich nach Polen, und die l) Quellen bei Schipper, Studya nad. stos. gosp. zyd. w. Polsce S. 286 u. 334. *)Bondy-Dworsky. Zur Qesch. der Juden in Böhmen etc. I. Nr. 298, 313, 322, 323, 326, 330-331, 333, 334—345 usw. Stein, Die Geschichte der Juden in Böhmen S. 49.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.