Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jakob Polak, der Baal Chillukim in Krakau und seine Zeit
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 11)
- Language
- German
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Jakob Polak, der Baal Chillukim in Krakau, und seine Zeit. 69 noch ältere, im J. 1619 abgebrochene Wormser Schwester. Auf einer Sammelbüchse, die am Eingang in die Synagoge angebracht ist, lesen wir das Datum 167 יכון כסא 1407. Die älteste Notiz über Juden am Kazimierz besitzen wir aus dem j. 1886. Aber erst im J. 1485 lesen wir in den Stadtakten von dem Judenbad (balneumjudaeorum) und drei Jahre später von den Judenmarktplatz (circulus Judaeorum). ImJ. 1494 (am 27. Februar) schliessen die Juden am Kazimierz einen Vertrag mit den dortigen Fleischern, in dem gestattet wird, daß vier jüdische Fleischer am Markplatz ihre Waare verkaufen. Dieser Vertrag bildet ein Glied in einer langen Prozeßkette um die Rechte jüdischer Fleischer. In diese alte, aber kleine Gemeinde am Kazimierz wurde die ganze reiche und große Krakauer Judenschaft eingepfercht. Selbstverständlich mußte es hier zu Reibungen und Zwistigkeiten kommen, die sich als Streit zweier selbständiger Gemeinden: der polnischen und der böhmischen äußerte. Es hat den Anschein, als ob entweder die Krakauer, oder die Kazimierzer Judengemeinde böhmischen Ursprunges gewesen sei, oder gar beide Gemeinden einer rapiden böhmischen Einwanderung sich erwehren mußten. Einstweilen jedoch hatte die neue große Judengemeinde von einem Kreuzzug viel zu leiden. Im Jahre 1499 sammelte sich in Kleinpolen ein Kreuzzug gegen die Türken. Wie gewöhnlich begann er mit Judenschlägereien. Am Kazimierz kam es zu Judenplünderungen, es wurden sogar mehrere Juden getötet. Nach Abzug der Kreuzfahrer trug die Judengemeinde mit dem Rat von Kazimierz einen Prozeß aus; zwei Stadträte, Johann Züntag und Bartolom eus Onoczek, wurden in Haft genommen und erst gegen ein Vadium von 74 Fl. auf freien Fuß gelassen. Es wurden viele Bürger in Verhör genommen, alle wälzten die Schuld auf den eingekerkerten Schneider Stanislaus Oblung. Das