Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jakob Polak, der Baal Chillukim in Krakau und seine Zeit
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829851-2829853-2847232--40161-2847323- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
68 Jakob Polak, der Baal Chiliukim in Krakau, und seine Zeit. meinde und einer der reichsten Steuerpächter in Polen, und die M o j teszowa (Frau Mosis) mit Namen Rasska (Rachel) ist seine Frau und zugleich die berühmte und einflußreiche Schwiegermutter des Jakob Polak. Zwar wurden die gefangenen Juden bald frei gelassen, doch war der Prozeß für sie von sehr schlechtem Erfolg. Ihr Vormund und Beschützer, der königliche Beirat und Humanist Philip Kalimach Buonacorsi, konnte den Bestrebungen des Kardinals Friedrich, des Bruders des Königs, gegenüber nicht viel für die Juden ausrichten. »Der Starrsinn und die Befürwortung eines hergelaufenen Fremdlings — schrieb der Kardinal an den König Johann Albert — bedeuten bei Euer Majestät mehr als die Stimme der ganzen Bürgerschaft«. Und es siegte der Kardinal, es siegte die Stimme der Bürger, die Stimme der Traditionen OleSnickis und Longinus, die Stimme der westeuropäischen Intoleranz, und die Juden wurden aus Krakau vertrieben. Die Sache war in jener Zeit so einfach und alltäglich, daß die Chronisten (Miechowita, Bielski, Kromer) einsilbige Notizen dem Ereignis widmeten, oder gar über das Ganze zur Tagesordnung übergingen. II. Aus ihren uralten Wohnsitzen vertrieben, aus dem Boden, der die Leichen ihrer Väter barg, entwurzelt, zogen die Krakauer Juden in den nächst gelegenen Kazimierz, um sich hier aufs Neue einzuwirtschaften. Der Kazimierz, heute eine Vorstadt Krakau’s, war in jener Zeit eine besondere Stadt, auf einer Weichselinsel gelegen und eben durch die Weichsel von einer Krakauer Nebengemeinde, dem Stradom, getrennt. Am Kazimierz wohnten Juden schon seit seiner Gründung im J. 1335; die alte gothische Synagoge stammt ohne Zweifel aus dem Ende des 14. Jahrhunderts und erinnert ganz an ihre ältere Prager und vielleicht an die