Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jakob Polak, der Baal Chillukim in Krakau und seine Zeit
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 8)
- Language
- German
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66 Jakob Polak, der Baal Chiliukim in Krakau, und seine Zeit. werden, bis er drei Mark Strafe dem Wojewoden bezahle. Nur den armen Juden und Jüdinnen blieb es gestattet, Hauben und Kragen eigener Arbeit auf dem Markte feilzubieten, sonst waren Handel und Gewerbe den Juden, ein für alle Mal, untersagt1). Die Urkunde wurde von den Judenältesten unterschrieben und aus dem Lateinischen ins Hebräische und Deutsche übertragen. Andere Erwerbsmittel für die große Judengemeinde wurden aber nicht gefunden, und so die Armen dem Hungertode preisgegeben. Das Leben ist aber stärker als alles geschriebene Gesetz, und die Juden handelten weiter, trotz des strengen Verbotes und der Kontrolle der städtischen Behörden. Dies wollten die Bürger nicht dulden und verlangten vom König die Vertreibung der Juden. Vertreibung der Juden war im XV. Jahrhundert gang und gäbe; nach ihrer Vertreibung aus den meisten deutschen Städten kam die furchtbare und grausame Vertreibung aus Spanien. Beispiele wirken ansteckend, und die beiden Söhne Kasimirs IV., die auf dem polnischen Throne saßen, hatten die ganze Schule des Judenhasses genossen. Sie waren Schüler des Historikers Johannes Longinus und waren gern bereit, die Lehren ihres Meisters in die Praxis umzusetzen. Im Jahre 1495, vertrieb Großfürst Alexander alle Juden aus Litauen, und in dem seiben Jahre tat dasselbe sein Bruder, König Johann Albert, mit ihren Krakauer Glaubensgenossen2). Nach Litauen kehrten die Juden schon im *) Piekosinski, Prawa i przywfleje miasta Krakowa I. 17. 24, auch Russko־Jew r.-A r c h i v. III. 185, reproduziert im »Compendium Jurium caes. reg. urbis metropol. Cracoviae 1797«. *) Über die Vertreibung aus Litauen vgl. Bierszadzki. Litowskie Jewreje (Litauische Juden) S. 250 ff. B a l a b a n, Skizzen und Studien, S. 79.