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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 1 · p. Seite 36

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 1
Article
Die ältesten Nachrichten über die Juden in Halle
Date
1913-01-01
Page
Seite 36 (sequence 5)
Language
German
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36 Die ältesten Nachrichten über die Juden in Halle. der Juden als Eingriff in seine Hoheitsrechte und Sehädigung seiner Interessen energisch bestrafte. Die Annalen erzählen uns aber nicht, ob die vertriebenen Juden nach Halle zurückgekehrt, und ob und wie sie für ihre Verluste entschädigt worden sind. Vor allem aber hören wir nichts von den Ursachen, die den Aufstand hervorgerufen haben. Nach Hertzberg wären damals viele Edelleute der Umgegend von Halle den Juden schwer verschuldet gewesen, und man hätte ihnen drückenden Wucher vorgeworfen1). Doch ist dies eine bloße Vermutung, ohne jeglichen Beweis. Wir kennen für diese Zeit nur zwei Fälle von Geldgeschäften der Juden in Halle überhaupt. Die Verpfändung des goldenen Kelches durch den Grafen Ulrich von Wettin haben wir vorhin erwähnt. Auch die Juden, denen der Probst des Klosters Lauterberg (Petersberg) bei Halle 200 Mark schuldete, und zu deren Befriedigung er 1217 24 Mansen verkaufte2), werden wohl in Halle gelebt haben. Für die Zeit vor 1206 kennen wir also nur ein einziges Geldgeschäft der Juden in Halle. Von drückendem Wucher ist in den Quellen, die diese beiden Fälle mitteilen, keine Rede. Da sie auch nicht den Zinsfuß angeben, so fehlt uns jeder Anhaltspunkt zur Beurteilung, ob er für den Schuldner drückend war. Ganz unbegründet ist die wohl auf einem Mißverständnis beruhende Behauptung, die Juden in Halle hätten schon im Anfänge des 12. Jahrhunderts in geschäftlichen Beziehungen mit dem Adel der Umgebung gestanden8). Wenn 1206 die Häuser der Juden in Brand gesteckt wurden, so müssen die Juden in Halle schon damals ein J) Hertzberg I, S. 122. s) Chron. Montis Sereni (Pertz SS. XXIII, S. 190, Z. 16). Siehe Mülverstedt II, S. 242, Nr. 530, Aronius Nr. 407. ’) Salfeld (Jewish Encyclop. VI, S. 175 a). Ebenfalls ohne jede Begründung ist seine Behauptung, die Juden hätten sich in Halle gleich nach der Gründung der Stadt niedergelassen.

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