Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 1 · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 1
Article
Die ältesten Nachrichten über die Juden in Halle
Date
1913-01-01
Page
Seite 35 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829851-2829853-2847230--40126-2847290
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die ältesten Nachrichten über die Juden in Halle. 35 Wann der Aufruhr gegen die Juden ausbrach, sagen uns die Annalen nicht Sie geben nur an, daß er zu derselben Zeit erfolgte, in der sich die von ihnen zuvor mitgeteilten Ereignisse zutrugen. Diese Ereignisse waren: die Wahl des Erzbischofs Aibrecht von Magdeburg, seine Reise nach Rom, seine Rückkehr nach Magdeburg und dann der Brand der Domkirche zu Magdeburg. Im September 1206 war Aibrecht nicht mehr in Magdeburg. Am 22. September traf er in Rom ein, am Palmsonntage 1207 oder kurz zuvor wurde er bei seiner Rückkehr in Magdeburg feierlich empfangen, und am folgenden Karfreitag (20. April) brannte die Domkirche ab1). Der Aufruhr ist jedenfalls in die Regierungszeit Albrechts zu setzen, d. h. nach dem am 16. August 1205 erfolgten Tode des Erzbischofs Ludolf2). Doch muß er vor Ende September 1206, wo der oben erwähnte Graf Ulrich starb3), geschehen sein. Wahrscheinlich haben wir uns die Unruhen während der Abwesenheit Albrechts, um die Mitte des Jahres 1206 zu denken4). Leider erfahren wir auch aus den Reinhardsbrunner Annalen über den Aufruhr gegen die Juden nur wenig. Wir sehen allerdings, daß der Erzbischof jetzt das Judenregale in Halle besaß, und daß er deshalb die Vertreibung des 17. u. 18. Jahrhunderts, G. Fabricius (Saxonia Illustrata über V, S. 551), Olearius (Halygraphia, S. 150) und Dreyhaupt (II, S. 490, § 5 Anf.), die allgemein von Tötung und Plünderung der Juden in Halle sprechen, und denen auch Sidori (Gesch. der Juden in Sachsen, S. 12), Zunz (Synagogale Poesie, S. 28) und Lehmanns »Israelit« 1863, Nr. 2, S. 21 a M. folgen. ף Mülverstedt II, S. 110 f. Nr. 262 u. 265, S. 117, Nr. 284. Herrn. Schmidt, Erzbisch. Aibrecht II. v. Magd, S. 16 unt. ff., 20 f. 2) Mülverstedt II, S. 96. 3) Pertz SS. XXIII, S. 173, Z. 43 f. 4) Die S. 34, Anmerkung 4 erwähnten Chronisten und, ihrem Beispiel folgend, auch Sidori und Zunz setzen das Ereignis ins Jahr 1205. Auch Hertzberg I, S. 122 läßt den Aufstand nicht lange nach dem Ableben Ludolfs ausbrechen, weil »die unsichern, herrenlosen Zustände« während dieser Zeit dafür günstig gewesen seien. 3*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.