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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 1 · p. Seite 20

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 1
Article
Christliche Talmudforschung
Date
1913-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 Christliche Talmudforschung. Freude1) kennen und täglich zweimal Gott für die ewige und große Liebe danken, die er ihnen durch Verleihung des Gesetzes erwiesen hat2). Eine andere Frage aber ist es : wie denkt Holtzmann über den gemeinsamen Gottesdienst? ist ein solcher ohne bestimmte Gebetszeiten möglieh? Wollte man den gemeinsamen Gottesdienst dem Zufall des Zusammentreffens von freier Zeit und Stimmung bei mehreren Personen zur selben Zeit und in demselben Ort überlassen, so könnte vielleicht in einem Jahrhundert ein gemeinsamer Gottesdienst Zustandekommen. Gemeinsamer Gottesdienst als Institution ist also ohne bestimmte Gebetszeiten nicht möglich. Nun bedeuten aber bestimmte Gebetszeiten eine »Knechtung des Menschen«, folglich ist der gemeinsame Gottesdienst ebenfalls eine Knechtung des Menschen. Denkt Holtzmann wirklich so? Da urteilt Bousset3) viel richtiger über den gemeinsamen Gottesdienst: »Er war das mächtigste Mittel, das Judentum zu jener einheitlichen Masse umzugestalten, zu der es ge״ worden ist, die Religion zum Eigentum der Laien und der Masse zu machen, zu verhindern, daß das Judentum Schule und Sache der Gelehrten wurde. Und weiche vorbildliche Bedeutung hat das Judentum mit dieser Schöpfung gehabt! Die Heiligung eines Tages in der Woche durch gottesdienstliche Versammlung, das gemeinsame Gebet, das Bekenntnis, die Schriftverlesung, die Predigt, der Segen, wie ist uns das alles vertraut. Wir vergessen nur zu leicht, wem wir diese Formen gottesdienstlichen Lebens verdanken4)«. Und all »diese Formen gottesdienstlichen Lebens« verdanken Juden und Christen der »Knechtung des Mensehen unter bestimmte Gebetszeiten«! *) Vgl. Güdemann, Das Judentum in seinen Grundzügen, S. 83 ff.; Perles, Boussets Religion des Judentums, S. 43; Güdemann, Jüdische Apologetik, S. 187 f. s) Zweite Benediktion vor dem Schema. 3) Religion des Judentums, S. 154. 4) Es wird noch vieles andere gar zu leicht vergessen!

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