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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 1 · p. Seite 10

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 1
Article
Christliche Talmudforschung
Date
1913-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Christliche Talmudforschung. statiert, daß das Einmaleins philosophisch, die chemische Formel philologisch, das Märchen juristisch, die Zeichnung historisch, die Abhandlung über Braunkohle musikalisch und die Beschreibung des Tintenfisches politisch minderwertig sei — so ist das nicht Voreingenommenheit. Es ist nicht jeder frei, der der Ketten anderer spottet Man muß jedoch, um gerecht zu sein, Fiebig zugeben, daß er wenigstens bona fide von sich behaupten kann, er gehöre nicht zu den Theologen, die voreingenommen und überschwenglich sind. Sein Recht dazu ergibt sich aus der Tatsache, daß er den Hintergrund der Person Jesu nicht so düster malt, wie die meisten seiner Kollegen, daß er auf diesen Hintergrund sogar hie und da einen Lichtstrahl fallen läßt. So weiß er nicht, daß er das Joch des Vorurteils noch nicht ganz abgeschüttelt, daß er noch immer unter dem Banne der Suggestion steht. Zuerst schiebt und verschiebt man die Dinge, dann wird man von ihnen geschoben und verschoben. Aber Voreingenommenheit und Überschwenglichkeit für die Person Jesu sind bei christlichen Theologen nur natürlich und selbstverständlich; und jüdischerseits ist nicht das Interesse und das Bedürfnis vorhanden, dieser Überschwenglichkeit einen Dämpfer aufzusetzen. Ja, man kann sogar in gewissem Sinne Befriedigung darüber empfinden, zumal wenn, wie bei Fiebig, zugleich hervorgehoben wird, daß »Jesus in seiner Zeit und in seinem Volke wurzelt«1). So könnte man mit Arbeiten wie Fiebigs »Gleichnisreden Jesu«, sowohl inbezug auf Kenntnis, wie inbezug auf Würdigung des rabbinischen Schrifttums halbwegs zufrieden sein und selbst solche Schiefheiten und Verkennungen wie den behandelten Vergleich, die im Grunde doch harmloser Natur sind, mit Gleichmut hinnehmen. Wogegen aber mit aller Entschiedenheit und aller Schärfe protestiert werden muß, ist eine Talmud»forschung« 1j Die Gleichnisreden Jesu, S. 16.

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