Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Christliche Talmudforschung
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Christliche Talmudforschung. 7 Ja, es ist »zum mindesten ungerechtfertigt.« Aber es ist die allgemeine Methode der christlichen wissenschaftlichen Theol< gie, wie es ihre Praxis ist, Dinge zum Vergleich einander gegenüberzustelien, die nicht die geringste Verwandtschaft unter einander haben, um dann triumphierend ausrufen zu können: nun siehe, wie herrlich das eine, wie minderwertig das andere! Ich meine hier nicht so sehr das Grundübel der christlichen Beurteilung des Judentums, daß vom Christentum bloß die Ethik und vom Judentum bloß die Haiachah, die »Gesetzlichkeit« hervorgehoben wird; vielmehr denke ich an Vergleiche, wie z. B. folgende: Fiebig führt in seinem Buch über die Gleichnisse Jesu die bekannte Kontroverse zwischen den Schammaiten und Hilleliten an: ob der Himmel zuerst geschaffen wurde oder die Erde, wobei jede der beiden Schulen ihre Ansicht durch ein Gleichnis zu stützen sucht, und bemerkt dazu1): »Man fühlt sich bei dem ersten Gleichnis lebhaft an Matth, 5, 34, 35 erinnert. Klar ist, daß Jesus hier in seiner Vorstellungs- und Ausdrucksweise, ebenso wie das obige Gleichnis, von Jes. 66, i abhängig ist. Im übrigen aber ist Jesu Gedanke und der Gedanke des obigen Gleichnisses verschieden. Jesus redet vom Schwören, und zwar von dem Schwur bei Himmel und Erde, und führt diesen Schwur auf den Schwur bei Gott selber zurück, um zu zeigen, daß der Schwur bei Himmel und Erde nicht etwa leichter zu handhaben sei und weniger Bedeutung habe als der Schwur bei Gott direkt. Jesu Worte wollen einen Schaden der religiosen Praxis seiner Zeit beseitigen2) und haben reformatorische ג) Die Gleichnisreden Jesu, S. 13. 8) So nochmals S. 16: »Jesus kämpft hier sichtlich gegen eine falsche Praxis des Schwörens. Er führt die damals als weniger angesehenen Eidesformeln auf den einen, ernsten Schwur bei Gott zurück«. Da hat aber Fiebig den eigentlichen Sinn der Stelle nicht erkannt. Jesus kämpft hier nicht gegen eine falsche Praxis des Schwörens, sondern gegen das Schwören überhaupt.