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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 108

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1912-01-01
Page
Seite 108 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen. 108 Preuss will kein apologetisches Buch schreiben, aber die nüchterne Darstellung der medizinischen Vorstellungen der taimudischen Zeit, wie er sie in seinen früherer! zahlreichen Abhandlungen und jetzt in seiner zusammenfassenden Darstellung bietet, wird für den unbefangenen Leser zur ungewollten Apologie. Vergleichungspunkte aus alter und neuer Zeit, an rechter Stelle eingestreute Bemerkungen, die uns lehren, auffallende Behauptungen und Ansichten aus dem richtigen Gesichtspunkte zu beurteilen, Einordnung des Arzneischatzes der taimudischen Medizin in den Bereich der Volksmedizin führen den Leser zur richtigen Würdigung der Anschauungen der biblischen und taimudischen Zeit. Alles Hineintragen modern-hygienischer Ansichten in die alten Vorschriften wird durchaus und mit vollem Rechte abgewiesen, und doch stand ziemlich alles, was vor Preuss auf seinem Forschungsgebiete geleistet wurde und nicht im Dienste gehässiger Vorurteile stand, unter dem Banne geistreicher Funde auf diesem Gebiete. Man witterte modern-hygienische Anschauungen hinter den rituellen Bestimmutigen und glaubte damit der Verherrlichung des Judentums wesentliehe Dienste geleistet zu haben. Es soll nicht geleugnet werden, daß die Erfahrung manche hygienische Maßregel lehrte, die uns vielfach als apotropäischer Schutz erscheint, während sie in Wirklichkeit einen erfahrungsmäßigen Hintergrund hat. Man kennt z. B. die für abergläubisch geltende Vorschrift, daß während der Quatemberzeit (teküfä) unbedeckt gestandene Getränke infolge eines hineinfallenden Blutstropfens gesundheitsschädlich sind und nur getrunken werden dürfen, wenn ein neuer eiserner Nagel hineingeworfen wird. (Brück, Rabbinische Ceremonialgebräuche 1837 S. 40 f. Jew. Enc. sv. Tekufah). Die neueste Publikation von Christian (Die Bedeutung gediegener Metalle als Desinfektionsmittel. Deutscher Verlag für Volkswohlfahrt, Berlin, 4, Jahrg. Heft 5 und Ditmar, Neue Fr. Presse 1911 21. XII.) weist darauf hin, »daß die bakterizide Wirkung der Metalle schon seit langer Zeit bekannt war, jedoch bisher praktisch nicht gewürdigt wurde. Vor allem kommt dem Kupfer die stärkste Wirksamkeit zu. Diesem zunächst liegt Messing, dann Zink und Eisen. In dem mit Kupfer in Berührung gebrachten Wasser wurden Choleravibrionen und Ruhrbazillen innerhalb der ersten Stunden vollkommen abgetötet. Für den praktischen Zweck erscheinen die Abtötungszeiten etwas groß. Trotzdem muß auch schon ia kürzerer Zeit zum mindesten eine Verringerung der lebensfähigen Keime und eine Schwächung der Vitalität des Restes stattfinden.«

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