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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 107

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1912-01-01
Page
Seite 107 (sequence 1)
Language
German
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Besprechungen. 107 Preuss, Dr. Julius, Bibiisch-iafmudische Medizin. Berlin, S. Karger. 1911, VIII, 735 S. gr.-S. Über Preuss’ Buch, das eine Zierde unseres »Grundrisses« gebildet hätte, will ich keine Rezension schreiben. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß in dieser reifen Frucht ehrlichen Studiums ein Buch vorliegt, das jüdische Theologen und talmudische Philologen studieren müssen. Nicht weil aus dem Buche Waffen zur Verteidigung talmudisch-medizinischer und besonders hygienischer Anschauungen zu holen wären, sondern weil es von eindringendem Verständnis e der Quellen zeugt und lehrt, daß man sich in das Quellenstudium versenken muß und auf die Quellen nicht vornehm herabsehen darf. Letzteres ist allerdings das Leichtere und darum Modernere. Blendende Enthüllungen über moderne medizinische Anschauungen in Bibel und Talmud bietet Preuss glücklicherweise nicht. »Alle großen Wandlungen in ärztlichen Erfahrungen und Meinungen spiegeln sich auch in den Auslegungen der biblischen Krankengeschichten wieder (S. 393).« Die törichte und willkürliche Erklärung biblischer Krankheitsbilder weist Preuss energisch zurück, hält aber in der Aufführung der verfehlten Erklärungsversuche und in der Polemik gegen seine Vorgänger Maß. Ab und zu schlägt trotz der sachlichen, klaren und nüchternen Darstellung der Humor durch. So bei der Darstellung der Ursachen der Ehelosigkeit des Königs Hiskia (S. 395). Es ist ausdrücklich hervorzuheben, daß Preuss bestrebt ist, die Dinge, auch die auffallenden, aus ihrer Zeit und ihrer Bestimmung heraus zu begreifen. Er weist es daher ernstlich zurück, wenn Schürer von der »schlüpfrigen Kasuistik der Jesuiten« spricht, da man zu diesem zweifellos falschen Urteil nur dadurch kommen konnte, daß man das Milieu übersah, aus dem die betreffenden Schriften stammen (S. 520). Dafür hat Preuß auch das Recht, die bestechende und scheinbar richtige Behauptung Schürer’s auf ihren wahren Wert zurückzuführen, die jüdische »Ethik und Theologie löse sich auf in Jurisprudenz.« Was Preuss hier (S. 522 f.) sagt, verdient gewürdigt und beherzigt zu werden. Wenigstens von jüdischen Theologen und — Laien.

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