Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 96

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 1
Article
Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
Date
1912-01-01
Page
Seite 96 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829843-2829845-2847076--39351-2847192
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

96 Beiträge zur Geschichte der Literatur im gaonäischen Zeitalter. aus der Mitte des 10. Jahrhunderts von Kairuän aus ergangenen Bittschreiben behufs Auslösung gefangener Glaubensgenossen ersehen. An solche Begebnisse anknüpfend, hat man vielleicht um Mose und seinen Sohn Chanoch den Glorienschein des Märtyrertums und harter Schicksals- Prüfungen weben wollen, um auf diese Weise ihre Bedeutung gegenüber dem anderen Prätendenten um das Rabbinat von Cordoba zu erhöhen und ganz besonders, um die ihnen vom Kalifen zugewendete Gunst mit einem politischen, in der Eifersucht auf das Kalifat in Bagdad wurzelnden Grunde zu erklären. Eine solche, ihm auf indirektem Wege zugegangene Darstellung hat nun der c. 200 Jahre nach jenem angeblichen Faktum sein Sefer ha-Kabbala verfassende Ibn Daüd seiner ohnehin nicht immer zuverlässigen Chronik — man denke nur an seine, die Tatsachen umkehrenden Angaben betreffs der Geonim beider Hochschulen1) — nicht gerade in geschickter Weise, wie bereits oben bemerkt, einverleibt. Außerdem haben wohl auch die im zehnten Jahrhundert zwischen Egypten, Kairuän, Spanien und Italien bestehenden Beziehungen und auch die Kunde von Chuschiels Auswanderung von Unteritalien nach Nordafrika die Bildung der Legende wesentlich erleichtert und herbeigeführt. Wir vermögen immerhin, nach allen diesen Darlegungen, die Entstehung von Ibn Daüds Bericht nur vermutungsweise zu erklären und müssen gestehen, daß wir diesem gegenüber höchstens ein non liquet aussprechen können. Dafür aber glauben wir als sichere Resultate unserer Ausführungen folgendes aufstellen zu können: 1. Schemarja kann nicht als Gefangener betrachtet werden; er gehört vielmehr einer, wenigstens seit einem Geschlechte in Egypten ansässigen Familie an. Er wie auch sein, allerdings später mit großen Ambitionen auftretender Sohn Elchanan hatten eine große Bedeutung *) Vgl. hierüber jetzt Epstein in der Harkavy-Festschrift, S.172—173.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.