Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 15)
- Language
- German
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94 Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter. außerspanischen Ursprung annehmen sollten, müssen wir offen gestehen, daß uns derselbe, vorbehaltlich weiterer Enthüllungen, dunkel ist. Indessen möchten wir auf Grund unserer Darlegungen von der stufenmäßigen Entwickelung des Talmudstudiums in Spanien und seiner Blüte in Cordoba noch vor 955, den anderen Vermutungen über Moses Heimat zum mindesten die Frage entgegenstellen, ob nicht mit ebenso gutem Grunde als solche Spanien selbst angesehen werden könne? Nach allen diesen Ausführungen dürfte die Frage nach dem Namen des etwaigen vierten Sendboten resp. Gelehrten als überflüssig erscheinen, zumal Abraham Ibn Daüd selbst ihn nicht mehr zu wissen vorgibt. Graetzens ziemlich sichere Behauptung, daß es der bekannte Chronist aus der Zeit Saadia’s, Nathan Hababli, gewesen sei, ist längst widerlegt* 1). Auch Lewy’s Ansicht, daß der vierte Bote »sich mit den eingezogenen Geldern nach Babylonien zurückbegeben habe und darum im Abendland weniger bekannt gewesen sei«2), ist nicht haltbar, da in diesem Fall nicht die wiederholten Klagen um gänzliche Vernachlässigung der Hochschulen nach den verschiedenen Gegenden hin gerichtet worden wären, wie es aus unserer obigen Zusammenstellung hervorgeht. Ebenso wenig ist Halevy beizustimmen, wenn er meint, daß der vierte Bote Chanoch gewesen sei, Spanien-Kairuän Babylonien. Denn wir finden beispielsweise bei Amram, Siddur, S. 5 b, den Brauch der spanischen Juden mit dem der לות אשכנז^ zusammengestellt, wenn auch, laut brieflicher Mitteilung des Herrn Prof. Dr. Berliner, diese Stelle eine Interpolation sein sollte; andrerseits fehlt es auch nicht an Beziehungen zwischen Spanien und Italien gerade in der spätgeonäischen Zeit, wie die auch in letzterem Lande verbreitete Rezension der הלכות גדולות של אספמיא beweist. Zur Sache selbst vergleiche jetzt das Responsum von Hai in Geonica II, S. 47. 1) Vgl. meine Bemerkungen zur vierten Auflage von Graetz Bd. V, S. 541, Anm. 1 und S. 543, Anm. 1. 2) Vgl. Jahresbericht, Breslau, a. a. O., S. 31.