Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 12)
- Language
- German
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Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter, 91 hat ja Ibn Daüd selbst seine Schilderung dadurch eingeschränkt, daß er den damaligen Juden Spaniens die Fähigkeit zuerkennt, in dem, was sie wußten, in diskussiver Weise zu forschen1). Wie aber läßt sich eine Vertiefung von Problemen denken, ohne daß durch positive Kenntnisse ein genügender Vorrat von solchen vorhanden ist? Wahrlich eine merkwürdige und widerspruchsvolle Angabe! Einen, meiner Ansicht nach, stichhaltigen Beweis gegen die Angabe, daß erst durch R. Mose tiefere Talmudkenntnisse nach Spanien verpflanzt worden sind, haben wir in lbn Daüd’s Bericht über Joseph Ibn Abitur2 3 * * * *). Dieser wird zuerst als Schüler von Moses bezeichnet, dann aber wird berichtet, daß er dem Herrscher Alhakim den ganzen Talmud in arabischer Sprache zugänglich gemacht8), und, gestützt auf »seine Größe und bedeutenden Kenntnisse«, Chanoch nicht als Nachfolger Mose’s anerkannt habe. Wir müssen demnach annehmen, daß er noch bei Lebzeiten des R. Moses sein Werk verfaßt habe, mit dem er sich die Gunst des Herrschers erworben, um, darauf pochend, das Rabbinat von Cordoba zu beanspruchen. Wie aber kann, wenn erst der eingewanderte Lehrer eindringende Kennt- 1) Vgl. ed. Neubauer, S. 68, z. 13ואעס״י כן באותו מעט שהיו :14 ■״ יודעי! היו עושין מדרש ומפרשים לעולים ויורדים. Es ist merkwürdig, daß hier von der Lehrweise der spanischen Juden ebenso der Ausdruck מדרש gebraucht wird, wie in Scheriras Schreiben nach Ägypten, Saadyana XLV, S. 120, II b, Z. 5 und XLVI, S. 124, Z. 84: מדרש קבוע, ferner in Chuschiels Brief an Schemarja, JQR. XI, S. 647, Z. 11: ישיבתו קבע עלי מדרש, und in der Achimaazchronik, S. 114 ומדרשות ל,בועים. 2) Vgl. ed. Neubauer, S. 69. 3) Über den von Ibn Daüd dort gebrauchten Ausdruck פידש את כל התלמוד. vgl. Müller a. a. O., S. 22, Anm. K. und Braun, Monatsschritt 1900, S. 284. Bei dieser Gelegenheit sei auch die versehentliche Bemerkung Steinschneiders, Arab. Literatur d. Juden, § 73, S. 117 berichtigt, daß Ibn Abitur dem Josia ha־Kohen die Fehler in seinem aramäischen Brief gerügt habe, während es sich gerade umgekehrt verhält.