Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter. Außerdem ist auch durch die Verschiedenheit der Zeit der Wirksamkeit der letzteren von der Schemarjas und Chuschieis, die auch erst um die Wende des ersten Jahrtausends und in den ersten Jahrzehnten des elften Jahrhunderts anzusetzen ist, die Einheitlichkeit des angeblichen Faktums vollständig in Frage gestellt. Betrachten wir nun die Erzählung Ibn Daüd’s von einer anderen Seite. Wir müßten daraus ein recht dunkles Bild von dem Stand der Gesetzeskenntnis der spanischen Juden gewinnen, indem der bisherige Dajjan, R. Nathan, eine Stelle im Traktat Joma erst durch eine Bemerkung des noch in Gefangenenkleidung in die Lehrhaussynagoge eingetretenen R. Mose richtig verstanden habe. Nach seiner durch. Nathans Verzichtleistung erfolgten Ernennung zum Dajjan seien Mose von allen Seiten Anfragen über zweifelhafte theoretische und praktische Probleme vorgelegt worden, und auch vom Maghreb aus, worunter also auch Kairuän zu verstehen ist, sei er von Fragestellern und Schülern in Anspruch genommen worden1). Indessen ist auch diese Darstellung,׳wenngleich R. Mose selbst, wie aus seinen Responsen hervorgeht, sicher eine Autorität gewesen ist, in bezug auf den Stand der Kenntnisse der Juden in Spanien nicht den Tatsachen entsprechend, und selbst der Umstand, |daß Ibn Daüd uns genau über das von dem Dajjan R. Nathan vorgetragene Thema zu unterrichten weiß, kann uns in betreff der Talmudkenntnisse der spanischen Glaubensgenossen zur damaligen Zeit nicht bestimmen, dies alles für glaubhaft anzunehmen. Wir haben es nämlich in Spanien mindestens in demselben Maße, wie in Italien, Nordafrika und Ägypten, mit einem, schon eine sehr geraume Zeit vor Moses etwaigem Eintreffen, bestehenden Zentrum jüdischer Geisteskultur zu tun. Es liegen uns darüber folgende Zeugnisse vor: ‘) Vgl. ed. Neubauer, S. 68 Ende S. 69 ff.