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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 76

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 1
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1912-01-01
Page
Seite 76 (sequence 12)
Language
German
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76 Die Ethik R. Saadjas. fremdem Wohle hervortritt. Saadja bestreitet einen solchen Gegensatz im Guten und ist entrüstet über die Aufstellung eines solchen Prinzips1). Er verwirft die Lust nicht schlechthin, sondern läßt sie als Gut wie andere Güter gelten2). Aber als ethische Norm und als Grundlage für ein ethisches Prinzip ist sie ihm undenkbar, weil sie zum Egoismus führt. Aus diesem Grunde aber hätte weder Plato noch Aristoteles den Hedonismus verworfen; sie hätten auch niemals, selbst nicht bei der geläutersten Auffassung des Verhältnisses von Sittlichkeit und Lust, den Widerspruch wie Saadja im Ich und Du gesucht; denn in letzter Linie bleibt in der griechischen Ethik die Förderung des eigenen Wesens dem Handelnden doch immer die höchste Norm des Sittlichen* * * * * 8). Soll nach Saadja eine Handlung gut sein, weil sie Lust oder Vorteil gewährt, so muß sie eben so beschaffen sein, daß sie von keinem als eine schlechte Handlung empfunden oder beurteilt werden kann. Wäre das nicht der Fall, dann enthielte die Handlung einen Widerspruch, und sie dürfte nicht gut genannt werden. Wenn dem ethischen Prinzip Saadjas auch das relativ Gute, das Nützliche, zugrunde liegt, so nährt sich dieses doch durch seinen universellen Charakter und durch die Aufhebung des Gegensatzes von dem ‘) Emunot das.:,פי מי שחושב זה, בבר עזב בל מה שהבאתיו לראיה הנה ומי שעזב זה הוא סבל, והסתלק טרחו מעלינו. Er verweist auf iv, s. 76, wo er zeigt, wie manches Angenehme und Schmerzliche gerade geeignet sei, die ewige Glückseligkeit zu fördern, während umgekehrt diese durch das irdische Wohlergehen zuweilen beeinträchtigt werde. 8) Das. x, s. 146: אך רמז בתוך השערים האלה . . . והוא שנתעסק במעט מן החכמה ומן התענוג..., in den 13 verschiedenen Lebensrichtungen läßt er das Angenehme immer als Beweis des Guten gelten, z. B. S. 148: ועם זה יש בה ערבות, ebenso S. 149 u. a. m. s) Vgl. Jod!, Geschichte der Ethik, Bd. I, S. 7 ff. Über das Verhältnis von Sittlichkeit und Lust vgl. Trendelenburg, Histor. Beiträge zur Pbilos. II, S. 167; Ueberweg, Das aristotel. Kant- und Herbart'sche Moralprinzip in Zeitschrift für Philos. Bd. 24, S. 76.

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