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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 75

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 1
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1912-01-01
Page
Seite 75 (sequence 11)
Language
German
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Die Ethik R. Saadjas. 75 Wäre in Saadjas Ethik selbst das nur relativ Gute, also das Nützliche oder Angenehme dasjenige, welches nur zur Befriedigung des Ich in Beziehung steht und nur die Förderung des Handelnden selbst bezweckt, dann hätte er eben so wenig wie Plato und die antike Ethik überhaupt den Widerspruch der Lustlehre anders als an demselben Subjekt nachweisen können. Saadja führt aber den Hauptbeweis für den Widerspruch in der Lustlehre nicht an derselben Person, sondern an zwei verschiedenen Subjekten. »Diejenigen, welche glauben, daß das Gute nur in dem bestehe, was uns angenehm ist, eben weil sie das Gute als etwas Angenehmes empfinden, bedenken nicht, daß ihre eigene Ermordung ihren Feinden angenehm sei, wie andererseits dagegen ihnen die Ermordung ihrer Feinde angenehm erscheint, daß demnach der Begriff des Angenehmen die beiden sich gegenseitig ausschließenden Begriffe des Guten und Bösen enthalten müßte«1). Ausführlicher und schärfer tritt dieselbe Beweisführung an der schon oben angeführten Stelle hervor: »Die Ermordung des Feindes bereitet dem Mörder wohl eine Lust, dem Ermordeten aber einen Schmerz. Ebenso empfindet derjenige, der einem Anderen das Vermögen oder das Weib raubt, durch diese Tat eine Annehmlichkeit, dieselbe Tat bereitet aber dem Beraubten einen Schmerz. Nach dem Prinzip des Hedonismus müßte jede dieser beiden Taten Weisheit und Torheit zugleich enthalten. Weisheit, weil dadurch der Mörder, Dieb oder Ehebrecher eine Lust empfindet, Torheit aber, weil dem Getöteten oder Beraubten dadurch Schmerz zugefügt wird. Alles aber, was Gegensätze in sich birgt, die sich gegenseitig aufheben, ist falsch8).« Der Widerspruch, den er hier konstatiert, besteht darin, daß in der Bestimmung des Guten ein Gegensatz zwischen dem eigenen und dem J) Emunot Einleitung S.fjlO. *) Das. III, S. 60.

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