Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829843-2829845-2847075--39328-2847170- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
74 Die Ethik R. Saadjas. »Es gibt Menschen, welche die vier verbotenen Dinge, (Mord, Buhlerei, Diebstahl und Lüge) durchaus nicht als Übel anerkennen, denen vielmehr als Übel nur dasjenige gilt, was ihnen Schmerz und Kummer bereitet, und als Gut dasjenige, was ihnen Annehmlichkeit und Ruhe gewährt«1). Saadja findet in der Lust einen Widerspruch, deshalb kann sie nicht das Gute sein. Es ist aber bemerkenswert, worin er den Widerspruch sucht. Plato hatte ebenfalls an der Lust einen Widerspruch entdeckt und sie darum auch nicht als das Gute anerkannt2). Die ifiSovtf sei unbegrenzt, weil sie immer mit ihrem Gegenteil der "kvvrfi verknüpft sei und daher in jedem Augenblick die Möglichkeit enthalte, durch Befreiung von der Xumj zu wachsen. Im zehnten Abschnitt verwirft Saadja mit Kohelet die Lust aus demselben Grunde wie Plato, weil mit ihr stets das Gegenteil verbunden sei. »ln dem Augenblick der Lust und der Freude empfindet der Mensch von selbst ein Gefühl von Schmach und Erniedrigung«3). Die Lust und ihr Gegenteil sind hier in derselben Person vorhanden. An derselben Person exemplifiziert Saadja auch den in der Lust liegenden Widerspruch, wenn er sagt: »Ein Mann, der ein süßes Gift genieße, handle nach dem Hedonismus eigentlich weise und töricht zugleich, weil in dem Genüsse Lust und Schaden zugleich enthalten seienc*). übrigens auch in den arab. Schulen bekämpft. Ai G’ubbai sagte: Das, was am meisten frommt, sei nicht das am meisten angenehme, sondern das, was am nützlichsten in dem Erfolge und am zweckmäßigsten in dieser vergänglichen Welt sei, wenn dasselbe auch schmerzhaft sei und gegen den Willen geschehe.» Schahrästani I, S. 62, vgi. Frankl, ein mutazilit. Kaläm. Wien 1872, S. 35 u. 56. *) Emunot III, S. 60; Einleitung, S. 10. *) Plato, Phaedo, S. 60 B; Phaedr.. 258 E. 3) Emunot x, s. 146: בי האדם בעת ההיא מרניש מעצמו בעת השחוק והשמחה פחיתות וגנות . . . ■*)Emunot 111, s. 60: אך יתקבין עליהם ההפך הזה באיש אחד כדבש שנפל בו מעט ארם אכלו והוא ערב והורג.